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11. Dienstwagen-Check unter deutschen Spitzenpolitikern: Deutsche Umwelthilfe vergibt neunzehn „Grüne Karten“





Der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel
belegt den Spitzenplatz im Gesamtranking – Bundesumweltministerin
Barbara Hendricks ist klimafreundlichste Bundesministerin ohne
Dieselantrieb – Schlusslicht beim Klimaschutz unter den
Regierungschefs ist Horst Seehofer – Deutsche Umwelthilfe kritisiert
den weiterhin zu hohen Anteil an Diesel-Dienstwagen –
DUH-Bundesgeschäftsführer Resch fordert Umstieg auf emissionsarme
Antriebsarten – Wachsende Lücke zwischen Herstellerangaben und
Realverbrauch belastet Geldbeutel der Verbraucher und gefährdet das
Erreichen der Klimaschutzziele der Bundesregierung für 2020

Zum elften Mal hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) deutsche
Spitzenpolitiker nach ihren Dienstwagen befragt und die Fahrzeuge
nach der Höhe der offiziellen CO2-Emissionen sowie der Antriebsart
untersucht. Der jährliche Blick unter die Motorhauben des politischen
Spitzenpersonals zeigt Wirkung: 2017 zeichnet die DUH 19
Spitzenpolitiker mit einer „Grünen Karte“ aus, mehr als doppelt so
viele wie 2016. Die DUH fordert alle Politiker auf, auf schmutzige
Diesel-Dienstwagen zu verzichten, mit alternativen emissionsarmen
Antriebsarten ein positives Beispiel zu setzen und die Verkehrswende
voranzubringen.

Voraussetzung für die Auszeichnung mit einer „Grünen Karte“ ist
die Unterschreitung eines CO2-Ausstoßes von unter 117 g/km sowie eine
umweltfreundliche Antriebsart (Elektro-, Erdgas-, Benzin-Plug-In
Hybrid oder konventioneller Benzinantrieb). Insgesamt stieg die Zahl
der Spitzenpolitiker mit umweltfreundlicher Antriebsart zwar deutlich
an, allerdings bleibt mit 171 von 233 befragten Spitzenpolitikern die
Mehrheit weiterhin dem Dieselantrieb treu. Diesel-Pkw werden wegen
ihrer hohen Realemissionen von giftigen Stickoxiden (NOx)
grundsätzlich abgewertet und erhalten generell keine „Grüne Karte“.
Zu den Ergebnistabellen: http://l.duh.de/170917.

„Es freut uns, dass deutlich mehr Spitzenpolitiker als im Vorjahr
klimaverträglicher und gleichzeitig sauber unterwegs sind und so
zeigen, dass man auch ohne schmutzigen Dieselantrieb mobil sein kann.
Wir fordern alle Spitzenpolitiker auf, diesem Beispiel zu folgen und
sich von ihren Diesel-Dienstwagen zu verabschieden. Angesichts der ab
2018 kommenden Diesel-Fahrverbote sollten die verantwortlichen
Regierungspolitiker die Verkehrswende aktiv mitgestalten und bei
ihren Dienstwagen auf umweltfreundliche Antriebsarten umsteigen“,
sagt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH.

Einzelne Diesel-Limousinen wurden zwischenzeitlich als besonders
schmutzig identifiziert. Gerade der bei Politikern beliebte Audi A8
Euro 6 ist auf der Straße mit einer gemessenen 24-fachen
Überschreitung des geltenden Grenzwertes für Stickoxid eine wahre
Drecksschleuder und eine Gesundheitsgefahr. Dies belegen Messungen
der DUH im Rahmen ihres Emissions-Kontroll-Instituts (EKI).

Erfreulich ist, dass Bundesumweltministerin Barbara Hendricks von
allen Mitgliedern des Bundeskabinetts mit 115 g CO2/km den
sparsamsten Dienstwagen und gleichzeitig keinen Diesel sondern einen
Benzin-Hybrid fährt. Im Jahr zuvor belegte sie noch den letzten Rang.
Schlusslichter sind in diesem Jahr Bundesjustizminister Heiko Maas
und Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries, deren Dienstwagen
nicht nur durch einen Diesel-Motor angetrieben werden, sondern auch
jeweils 159 g CO2/km ausstoßen.

Betrachtet man die Fuhrparks der Minister und ihrer
Staatssekretäre, belegen das Auswärtige Amt mit einem
durchschnittlichen CO2-Ausstoß von 122 g/km (2016: 132 g/km) und das
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit
mit einem CO2-Ausstoß von 126 g/km (2016: 122 g/km) die vorderen
Plätze.

Während 2016 auf Bundesebene lediglich eine „Grüne Karte“ vergeben
wurde, erhalten dieses Jahr sieben Politiker die Auszeichnung. Dies
liegt an der deutlich ausgeweiteten Nutzung von Benzin-Plug-In
Hybrid-Dienstwagen. Alle ausgezeichneten Dienstwagen der
Bundesminister und Staatssekretäre haben einen CO2-Ausstoß von
jeweils 115 g/km. Das Schlusslicht auf Bundesebene bildet die
parlamentarische Staatssekretärin Gabriele Lösekrug-Möller (BMAS) mit
einer Diesel-betriebenen Mercedes S-Klasse und einem CO2-Ausstoß von
169 g/km.

Enttäuschend fällt das Ergebnis bei den Regierungschefs der Länder
mit einem durchschnittlichen CO2-Ausstoß von 179 g/km aus. Der Grüne
Ministerpräsident Winfried Kretschmann fährt einen Benzin-Hybrid mit
142 g CO2/km. Elf Länderchefs sind in Diesel-Limousinen unterwegs.
Die Regierungschefs Volker Bouffier, Hannelore Kraft, Michael Müller
und Horst Seehofer fahren die klimaschädlichsten Fahrzeuge. Ihre
Benzin-Dienstwagen stoßen jeweils deutlich über 250 g CO2/km aus.

Nachdem die Bayerische Staatskanzlei 2016 die Angaben zum
Dienstwagen von Ministerpräsident Seehofer verweigert hatte, hält
sich Horst Seehofer in diesem Jahr an das Urteil des
Verwaltungsgerichts München. Vorausgegangen war eine Klage der DUH
gegen den Freistaat Bayern vor dem Verwaltungsgericht München. Das
Gericht bestätigte im Februar 2017 den Anspruch der DUH gegenüber dem
bayerischen Ministerpräsidenten auf Herausgabe von Umweltdaten.
Ministerpräsident Horst Seehofer belegt in diesem Jahr mit seinem BMW
760Li High Security Limousine und einem CO2-Ausstoß von 303 g CO2/km
zusammen mit dem Minister für Inneres und Kommunales aus
Nordrhein-Westfalen, Ralf Jäger, den letzten Platz im Gesamtranking
der Dienstwagenumfrage unter allen Spitzenpolitikern in Deutschland.
Zudem sind beide Klimakiller-Limousinen mit einem Dieselantrieb
versehen.

Bei den Landesregierungen erhalten zwölf Spitzenpolitiker die
„Grüne Karte“. Alle fahren einen Benzin-Plug-In Hybrid-Dienstwagen
mit weniger als 115 g CO2/km. Der niedersächsische Umweltminister
Stefan Wenzel belegt mit einem CO2-Ausstoß von 100 g/km nicht nur bei
den Landesregierungen, sondern auch im Gesamtranking den
Spitzenplatz. Auf Platz zwei und drei folgen der Justizsenator
Hamburgs, Till Steffen, mit 101 g CO2/km sowie der Hamburger Senator
für Umwelt und Energie, Jens Kerstan, mit 102 g CO2/km.

Viele Bundesländer fallen mit einem extrem hohen
durchschnittlichen CO2-Ausstoß auf. So bleibt etwa die Regierung des
Freistaats Bayern ihrer Neigung zu schmutzigen, spritschluckenden und
klimaschädlichen Dienstwagen mit einem durchschnittlichen CO2-Ausstoß
von 163 g/km (2016: 165 g/km) treu. Das Bundesland wird im
diesjährigen Ranking nur noch von Nordrhein-Westfalen mit einem
durchschnittlichen CO2-Ausstoß von 172 g/km (2016: 158 g/km)
übertroffen. Positiv hervorstechen die Länder Hamburg mit 114 g
CO2/km und Bremen mit 116 g CO2/km, welche auf einem guten Weg sind,
den EU CO2-Flottenzielwert von 95 g CO2/km bis zum Jahr 2020
einzuhalten. Den größten Sprung hat Sachsen-Anhalt zu verzeichnen.
Das Bundesland verbessert sich auf Platz sechs mit einem
durchschnittlichen CO2-Ausstoß von 139 g/km (2016: 151 g/km).

Im Parteienvergleich schneidet wiederholt das Bündnis90/Die Grünen
mit einem durchschnittlichen CO2-Ausstoß von 126 g/km am besten ab.
Sie liegt erneut als einzige Partei unter dem durchschnittlichen
CO2-Ausstoß der Pkw-Neuzulassungen in Deutschland. Es folgt Die Linke
mit durchschnittlich 136 g CO2/km, FDP mit 138 g CO2/km, SPD mit 145
g CO2/km und die CDU mit 155 g CO2/km. Schlusslicht sind auch in
diesem Jahr die Mitglieder der CSU, die im Durchschnitt 163 g CO2/km
ausstoßen.

Die DUH weist allerdings darauf hin, dass die realen
CO2-Emissionen von Neuwagen immer stärker von den Herstellerangaben
abweichen. Durch die Verwendung illegaler Abschalteinrichtungen,
Manipulationen an den Ausrollfahrzeugen und Verzicht des
Kraftfahrt-Bundesamtes auf herstellerunabhängige CO2-Nachprüfungen,
werden Autokäufer und Finanzminister systematisch getäuscht. Der
Mehrverbrauch hat sich bei gleichgebliebenem Testverfahren über die
letzten 15 Jahre von ehemals neun auf zwischenzeitlich 42 Prozent im
Durchschnitt erhöht. Der International Council on Clean
Transportation (ICCT) hat in seiner Studie „From Laboratory to Road“
(2016) den Mehrverbrauch für die verschiedenen Hersteller und
Fahrzeugklassen dargestellt. Der ICCT stellte bei den in der
DUH-Dienstwagenumfrage vorkommenden Herstellern folgende Abweichungen
fest: Mercedes-Benz 54 Prozent, Audi 49 Prozent, BMW 43 Prozent und
VW mit 40 Prozent.

Die DUH hat daher für den 11. Dienstwagen-Check die offiziellen
CO2-Angaben mit einer Angabe zum Realverbrauch nach Marken in Prozent
ergänzt. Ausgenommen sind Plug-In Hybride, da hierzu noch keine
solide Datengrundlage vorliegt.

„Die Lücke zwischen Herstellerangaben und Realverbrauch untergräbt
den Erfolg angeblich sinkender CO2-Emissionen der Dienstwagen. Dieser
Betrug an Umwelt und Verbraucher muss ein Ende haben. Wir benötigen
endlich unabhängige behördliche Nachmessungen der CO2-Emissionen auf
der Straße und wirksame Sanktionen bei Verstößen. Dies ist rechtlich
möglich und längst überfällig“, fordert Barbara Metz,
Stellvertretende DUH-Bundesgeschäftsführerin.

Um die Lücke zwischen Herstellerangaben und realen Verbräuchen zu
schließen, hat die DUH eine von der Europäischen Kommission
geförderte Informationskampagne „Get Real – für ehrliche
Spritangaben“ gestartet (http://www.get-real.org/my-front-page-de/).

Hintergrund:

Von Februar bis September 2017 befragte die DUH insgesamt 233
deutsche Bundes- und Landespolitiker zu ihren Dienstwagen. In den
Ergebnistabellen wurden die bei Anfragestellung jeweils im Amt
befindlichen Politiker berücksichtigt. Neu bestellte und im Einsatz
befindliche Dienstwagen wurden bis einschließlich April 2017
einbezogen. Die besonders geschützten Fahrzeuge der Bundeskanzlerin,
der Verteidigungsministerin, des Finanz-, Innen- und Außenministers
und des Bundespräsidenten werden wie in den Vorjahren nicht gewertet.
Der EU CO2-Flottenzielwert von 130 g /km für das Jahr 2015 wird bis
zum Jahr 2020 auf 95 g CO2/km verschärft. Die DUH passt daher für die
Dienstwagenumfrage ihre Bewertungskriterien jährlich schrittweise an
und verschärft diese. Für den Erhalt einer „Grünen Karte“ liegt der
Wert in diesem Jahr bei unter 117 g CO2/ km (2016: 124 g/km) –
bezogen auf alle Antriebsarten außer Diesel.

Das Ranking stützt sich wie in den letzten Jahren auf die
offiziellen beim Kraftfahrt-Bundesamt hinterlegten Angaben zum
durchschnittlichen CO2-Ausstoß in Gramm pro Kilometer (g/km). Bei
Elektro-Pkw sowie Plug-In Hybriden legt die DUH die mit der
Stromerzeugung verbundene durchschnittliche CO2-Emission laut
Berechnungen des Umweltbundesamtes zugrunde. Eine Berücksichtigung
individueller Tank- bzw. Strombezugsquellen (Biodiesel
beziehungsweise Ökostrom) unterbleibt, da ansonsten ein Vergleich des
Energieverbrauchs und der durch den Gebrauch der Fahrzeuge
verursachten CO2-Emissionen unmöglich gemacht würde.

Weitere Informationen:

Zu den Ergebnistabellen: http://l.duh.de/170917
Zu den DUH-Dienstwagenumfragen: http://www.duh.de/dienstwagencheck/
Zur ICCT-Studie „From Laboratory to road 2016“:
http://www.theicct.org/laboratory-road-2016-update

Kontakt:
Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer
0171 3649170, resch@duh.de

Barbara Metz, Stellvertretende Bundesgeschäftsführerin
030 2400867-74, metz@duh.de

DUH-Pressestelle:

Andrea Kuper, Ann-Kathrin Marggraf
030 2400867-20, presse@duh.de

www.duh.de, www.twitter.com/umwelthilfe, www.facebook.com/umwelthilfe

Original-Content von: Deutsche Umwelthilfe e.V., übermittelt durch news aktuell

Kurz-URL: http://www.88news.de/?p=1531399

Erstellt von an 19 Sep 2017. geschrieben in Auto/Verkehr. Sie können allen Kommentaren zu diesem Artikel folgen unter RSS 2.0. Sie können einen Kommentar schreiben oder einen trackback setzen zu diesem Artikel

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