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Aachener Zeitung: Alltag und Wahnsinn Terror, Routine und der Kitt, der uns zusammenhält Bernd Mathieu





Ein Terrorakt, und man ist geneigt zu sagen: der
nächste. Das ist fatal und dokumentiert die Hilflosigkeit, mit der
wir solchen wahnsinnigen Anschlägen begegnen. Dass in solchen
Situationen die Gedanken mitfühlender Menschen bei den Opfern und den
Angehörigen sind, betrachten wir als das Mindestmaß an
Selbstverständlichkeit. Unsere Politiker von Bundeskanzlerin Angela
Merkel bis zum SPD-Vorsitzenden Martin Schulz bringen ihre
Anteilnahme in Sätzen zum Ausdruck, die natürlich immer wieder
ähnlich klingen. Was sollen sie denn sagen? Dass es jetzt erstmals in
der westlichen Welt einen demokratisch gewählten Politiker gibt, der
nicht ansatzweise zu irgendeiner Form von Betroffenheit und Mitgefühl
bereit ist, nehmen wir in einer Melange aus Fassungslosigkeit,
Empörung und Traurigkeit fast schon resignierend vor so viel
Unverschämtheit zur Kenntnis. US-Präsident Donald Trump hat weder
Haltung, noch Würde. Er ist in erschreckender Weise und im ganzen
Umfang seines Charakters nur unfähig – sogar zu trauern. Stattdessen
verweist er in einer seiner unsäglichen Twitter-Absonderungen auf
eine Lüge, mit der die Exekution muslimischer Gefangener glorifiziert
wird. Was für ein armseliger Wicht steht an der Spitze der USA! Der
Angriff auf die offene Gesellschaft und die Lebensart des Westens,
wie sie sich alltäglich auch auf den Ramblas in Barcelona zeigt,
macht manchen Angst und bereitet vielen Sorge. Kein Politiker kann
glaubhaft irgendeine hundertprozentige Form von Sicherheit
garantieren. Das bleibt Illusion. Und immer wieder stellt sich die
bange Frage, ob die Behörden das Mögliche getan haben, um solche
Anschläge zu verhindern. Auch diesmal gibt es, wie etwa bei dem
Lkw-Attentat auf dem Berliner Weihnachtsmarkt, offensichtlich Zweifel
daran. Es wird zu prüfen sein, ob die Behauptung stimmt, dass es vor
zwei Monaten einen Hinweis der CIA gegeben hat. Das Risiko wird umso
höher, je stärker der sogenannte Islamische Staat im Irak und in
Syrien in Bedrängnis gerät. Das Fest der Einheit in Mainz am 3.
Oktober, das Oktoberfest in München, die Weihnachtsmärkte: Sie alle
können wieder Ziele sein – wie Berlin, Nizza, Stockholm, London. Die
Sicherheitsmaßnahmen werden erhöht, das gehört nach jedem neuen
Anschlag zur traurigen Routine. Die Welt hat sich verändert. Diese
Welt ist unser Alltag: mit der Kaltblütigkeit der Mörder und der
Anteilnahme für die Betroffenen. Der Zusammenhalt der Gesellschaft
bildet den Kitt, der unsere Demokratie und unsere Lebensweise
ausmacht. Sich deshalb trotz aller Schrecken nicht verrückt machen zu
lassen, ist die klare Antwort auf den Terror. Die wunderbare Reaktion
der vielen trauernden und gerade deshalb trotzig auch klatschenden
Menschen gestern in Barcelona war eine ebenso bewegende wie
aufrüttelnde Demonstration für unsere Lebensform und ein
solidarisches Zeichen gegen die Diktatur der Gewalt.

Pressekontakt:
Aachener Zeitung
Redaktion Aachener Zeitung
Telefon: 0241 5101-389
az-blattmacher@zeitungsverlag-aachen.de

Original-Content von: Aachener Zeitung, übermittelt durch news aktuell

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Erstellt von an 18 Aug 2017. geschrieben in Allgemein. Sie können allen Kommentaren zu diesem Artikel folgen unter RSS 2.0. Sie können einen Kommentar schreiben oder einen trackback setzen zu diesem Artikel

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