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Aarhus zeigt, was Berlin besser machen könnte





Berlin, August 2017 – Die europäische Kulturhauptstadt Aarhus setzt ein Zeichen gegen politischen Regulierungswahn und demonstriert, wie man mit Konsensmodellen etwa beim innerstädtischen Straßenverkehr oder beim City-Tourismus allen Bevölkerungsgruppen sowie der lokalen Wirtschaft gerecht werden kann. Radfahrer gegen Autoverkehr, Hotels gegen Privatvermieter, Einwohner gegen Touristen – das ist in Dänemarks zweitgrößter Metropole gerade NICHT die Frage. Vielmehr nutzt Aarhus die gegenwärtige internationale Aufmerksamkeit, um sich an die Spitze der Sharing Economy zu setzen und Zukunftsmodelle für die Stadt von morgen zu finden, die Toleranz, Ökologie und Lebensqualität für alle verbinden. Dazu berief Dänemark jetzt erstmals ein „Sharing Economy Folkemödet“ ein – wörtlich übersetzt ein „Treffen mit dem Volk“.

Bei diesem „Politikfestival“ Ende August mit Regierungsvertretern, Interessensgruppen und Bürgern wurde unter anderem eine Studie zu privat vermieteten Ferienwohnungen vorgestellt. „Wie viele andere europäische Großstädte stehen auch wir vor erheblich wachsenden Besucherzahlen“, erklärte Aarhus` Tourismuschef Peer Kristensen. Und Privatvermietungen der Sharing Economy trügen einen wesentlichen Anteil zu diesem Wachstum bei. Dabei hätten die aktuellen Untersuchungsergebnisse gezeigt, dass die weit überwiegende Mehrzahl der Vermieter sich gesetzeskonform verhalte; besondere Probleme, wie man sie etwa in Deutschland an die Wand malt, seien in Aarhus nicht zu erkennen.

Neue Reiseformen nicht bekämpfen, sondern fördern

Anders als viele deutsche Metropolen wie etwa Berlin oder Hamburg, die mit Verboten versuchen, die Mobilitäts- und Reisegewohnheiten der Menschen auszubremsen, setzt man in Aarhus auf Innovation, Wachstum und fairen Wettbewerb. „Wir stellen die Chancen, nicht die Ängste in den Mittelpunkt unserer Überlegungen“, erklärt die Stadtentwicklungsbehörde der zweitgrößten dänischen Metropole. Aarhus betrachte die Sharing Economy, zu der auch Vermietungsplattformen wie Wimdu zählen, „als ein wichtiges Element des digitalen Wandels“, das man nicht bekämpfen, sondern vielmehr gleichberechtigt mit anderen Wirtschaftsformen fördern wolle. Als selbsternannte „Pilotstadt für Sharing Economy“ gab die Stadt jetzt die Losung aus: „Der Staat soll das Wirtschaftsleben anregen, nicht behindern!“ Aufgabe der Verwaltung sei es, „gleiche und faire Wettbewerbsbedingungen sowohl für die etablierte Wirtschaft als auch für neue Player zu garantieren.“ Dies mache die Stadt „attraktiv für Besucher und für ihre Bewohner gleichermaßen.“

Wimdu-Jurist Peter Vida betonte, dass gut ein Drittel der Reisenden, die Wimdu nutzen, die jeweilige Stadt gar nicht erst besuchen würden, wenn es die neuen privaten Ferienunterkünfte nicht gäbe. „Somit stellen Ferienwohnungen weniger eine Konkurrenz für Hotels als vielmehr eine Bereicherung für einen insgesamt stark wachsenden Markt dar“, so Vida. Gerade der Tourismussektor erlebt derzeit einen fundamentalen Wandel, der neue Bedürfnisse entstehen lässt. „Diese Bedürfnisse werden aber von Verbrauchern definiert, nicht von Politikern“, so Vida. Um so wichtiger sei, „dass Aarhus ein europäisches Zeichen setzt gegen die mancherorts feindliche Haltung gegenüber Besuchern – und insbesondere gegen die von zahlreichen Stadt-Politikern aufgeheizte Stimmung.“

Europaweite Aufklärungskampagne zu Ferienwohnungen

In Berlin hatte Peter Vida maßgeblichen Anteil daran, dass das sogenannte „Zweckentfremdungsverbot“ des Senats, das die Privatvermietung von Ferienwohnungen pauschal verbieten wollte, zur Überprüfung an das Bundesverfassungsgericht verwiesen wurde. Nun präsentierte der Wimdu-Jurist in Aarhus die neue europaweite Aufklärungskampagne „Warum Ferienwohnungen guttun“. In zehn Sprachen sollen hierzu Broschüren europaweit für einen toleranten und sachlichen Umgang mit der neuen Art des Reisens werben.

Unter anderem erläutert die Broschüre, dass private Ferienwohnungen gerade für Familien mit Kindern aber auch für junge Menschen eine kostengünstige Alternative zu Hotels darstellen und oftmals die einzige Möglichkeit, überhaupt Städtereisen zu unternehmen. Für die Städte selbst bringen diese zusätzlichen Urlauber mehr Einnahmen und zwar vor allem für die kleinen Geschäfte, Cafes und Restaurants in den Stadtteilen abseits der touristischen Haupt-Attraktionen. Dies schafft bzw. erhält Arbeitsplätze und sichert das Geschäftsleben für die Bewohner auch jenseits der City. Für die privaten Vermieter schließlich bedeuten die Zusatzeinnahmen durch gelegentliches Vermieten ihrer Wohnung eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage – wofür sie selbstverständlich auch Steuern zahlen, was wiederum der Allgemeinheit zugute kommt. Im Übrigen, so argumentieren die Kampagnenmacher, ist das Vermieten der eigenen Wohnung ein Grundrecht und darf nicht durch staatliche Regulierungen untergraben werden. Zu eben dieser Frage wird sich demnächst auch das Bundesverfassungsgericht äußern.

Zur Sprache kommen in der Broschüre auch die Sorgen und Ängste der Menschen, die fürchten, Ferienwohnungen reduzierten den ohnehin knappen Wohnraum in der Stadt oder verursachten Lärm durch laute Touristen. Dem setzt Wimdu mit der Broschüre entgegen, dass Ferienwohnungen in den Metropolen deutlich weniger als ein Prozent des Wohnraums ausmachen und somit keinen für den Mietmarkt relevanten Effekt haben. Richtig sei, dass „die Politik es versäumt hat, rechtzeitig genügend Wohnraum zu schaffen, und jetzt in den Gastgebern den Sündenbock sucht.“Lärmende Touristen schließlich gebe es auch in Hotels – „dennoch hat noch keiner das Verbot von Hotels gefordert.“ Richtig ist, dass über 99 Prozent aller Reisenden sich wie gute Gäste verhalten: „Wenn einer über die Stränge schlägt, muss man dieses Problem lösen und nicht alles andere Gute verbieten.“

Erhältlich ist die Broschüre auf der Website von Wimdu: www.wimdu.de

Kurz-URL: http://www.88news.de/?p=1525329

Erstellt von an 31 Aug 2017. geschrieben in Reise/Touristik. Sie können allen Kommentaren zu diesem Artikel folgen unter RSS 2.0. Sie können einen Kommentar schreiben oder einen trackback setzen zu diesem Artikel

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