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BUND-Verkehrsexperte im Interview (Audio): „Man kann auf der diesjährigen IAA schon das Gefühl bekommen, die deutschen Hersteller wollten zukünftig gar keine Diesel mehr verkaufen“





Interview: BUND-Verkehrsexperte
Jens Hilgenberg zum Thema Diesel auf der IAA in Frankfurt

Vorschlag für eine Anmoderation:

Die von den Autoherstellern vielbeschworenen Diesel der neuesten
Abgasnorm Euro 6d sind auf der diesjährigen Internationalen
Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt am Main nicht präsent.
Darauf macht der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
infolge einer eigenen Recherche an den Messeständen der deutschen
Hersteller aufmerksam. Demnach sind Fahrzeuge der Abgasnorm Euro 6d,
die unter den neuen, realistischeren Bedingungen getestet und
typzugelassen wurden, unter den ausgestellten Diesel-Pkw nicht zu
finden. Wir sprechen jetzt mit dem BUND-Verkehrsexperten Jens
Hilgenberg über seinen Rundgang auf der IAA.

Hinweis zum Download der O-Töne: Mit rechter Maustaste im Player
direkt auf den Stream klicken und „Audio speichern unter“ auswählen.

Frage-Vorschlag: Herr Hilgenberg, Sie haben sich die Messstände
der deutschen Hersteller angeschaut, welchen Eindruck haben Sie?

1.O-Ton Jens Hilgenberg: „Man kann auf der diesjährigen IAA schon
das Gefühl bekommen, die deutschen Hersteller wollten zukünftig gar
keine Diesel mehr verkaufen. Wo noch vor zwei Jahren phantastische
Verbrauchs- und CO2-Werte riesig an den Autos standen, sieht man
heutzutage gar nichts mehr. Also da steht nicht mehr, wie wenig das
Auto verbraucht, wie wenig CO2 aus dem Auto rauskommt. Die ganzen
Vorteile, die immer beworben wurden, werden einfach nicht mehr
beworben und die Diesel ducken sich mehr oder weniger weg. Man findet
sie nur, wenn man sie sucht und sie sind nicht mehr als solche
erkennbar. Die Hersteller scheinen zu versuchen alles zu tun, um das
Thema Diesel und Abgasskandal dieses Jahr aus der Berichterstattung
der IAA herauszuhalten.“

Zum 1.O-Ton-Download: http://ots.de/yRbHo

Frage-Vorschlag: Wird den Autoherstellern das nach Ihrer Meinung
gelingen – das Thema Diesel aus der IAA-Berichterstattung
herauszuhalten?

2. O-Ton Jens Hilgenberg: „Bislang konzentrieren sich die Medien
oder ein Großteil der Medien hauptsächlich auf die neuen Modelle und
auf die tollen Zukunftsvisionen der Hersteller, ich denke aber, dass
man auch verstärkt darauf abzielen sollte, welche Abgasnorm die
Modelle, die jetzt gerade zum Verkauf stehen, so haben. Und da habe
ich den sauberen Diesel gesucht, der von der Politik und auch vom
Diesel-Dreigestirn Zetsche, Krüger, Müller gerne kolportiert und in
den Medien immer wieder angesprochen wird, den habe ich gesucht, ich
habe ihn nicht gefunden, selbst auf Nachfrage an den Ständen konnte
mir keiner gezeigt werden. Es gab nicht ein einziges Fahrzeug mit der
Abgasnorm Euro 6d, das ist die neueste Abgasnorm, und nur diese
Abgasnorm belegt, dass die Fahrzeuge auch im Realbetrieb ihre
Grenzwerte einhalten. Aber habe ich das nicht, habe ich diese
Abgasnorm nicht, laufe ich immer noch Gefahr, dass die Kundinnen und
Kunden, die ein solches Fahrzeug kaufen, das nicht 6d entspricht, von
Fahrverboten betroffen sind. Und deswegen fordere ich die Hersteller
auf, wenn sie Fahrzeuge haben, die im Realbetrieb die Grenzwerte
einhalten, dann müssen sie sie neu typzulassen und müssen klar
machen, dass diese Fahrzeuge auch Euro 6d haben.“

Zum 2.O-Ton-Download: http://ots.de/Q2FVt

Frage-Vorschlag: Keine Diesel der neuesten Abgasnorm auf den
Messeständen – wie sieht es denn dann mit den von Ihnen schon
angesprochenen neuen Technologien und dem autonomen Fahren aus?

3.O-Ton Jens Hilgenberg: „Auch bei Elektrofahrzeugen hat sich in
den letzten Jahren seit der letzten IAA nur wenig getan. Gerade
einmal zwei neue rein elektrisch betriebene Fahrzeuge deutscher
Hersteller sind auf den Markt gekommen, das sind die zwei Smarts, und
dazu noch ein paar Modelle, die sowohl über Verbrennungs- als auch
Elektromotoren verfügen. Diese Hybridfahrzeuge haben für die
Hersteller einen enormen Vorteil, denn sie senken durch absurd
unrealistische Messverfahren die offiziellen Angaben für Verbrauch
und CO2-Emissionen und helfen so den Herstellern ihre CO2-Grenzwerte
einzuhalten, allerdings nur auf dem Papier. Die Umwelt, das Klima,
der Verbraucher, die haben alle nichts von solchen Hybridmodellen.
Von denen haben die Hersteller, die deutschen Hersteller, allerdings
sehr viele und kündigen auch immer weitere an. Viel zu groß, viel zu
schwer, Hybrid kann sinnvoll eingesetzt werden, wird es von den
deutschen Herstellern leider nicht.“

Zum 3.O-Ton-Download: http://ots.de/hxuyh

Frage-Vorschlag: Aber zumindest beim autonomen Fahren als
Zukunftsvision sind die deutschen Hersteller doch gut aufgestellt,
oder?

4.O-Ton Jens Hilgenberg: „Ja, ich muss zugeben, dass ich im
Vorfeld dachte, dass die Karte des autonomen Fahrens auf der
diesjährigen IAA deutlich intensiver gespielt wird. Meiner Meinung
nach dient die Diskussion um das autonome oder vielmehr
teilautomatisierte Fahren vor allem dazu, um von den aktuellen
Versäumnissen abzulenken. Denn wer auf dem Messestand ein tolles,
futuristisches, sauberes Auto autonom auf die Bühne fahren lässt, der
wird vielleicht nicht darauf angesprochen, warum die Fahrzeuge, die
aktuell beim Händler stehen, immer noch dreckig sind, warum sie immer
noch größer, schwerer und leistungsstarker werden nach wie vor.
Natürlich haben autonome Autos ihre Berechtigung und die werden
sicher in den Städten auch das ein oder andere Problem lösen,
allerdings wird““s auch weitere Probleme geben, je mehr Fahrzeuge
fahren, desto mehr Straßenraum benötigt der Autoverkehr auch
weiterhin, also eine Verteilung des Straßenraums, die jetzt noch
total ungerecht ist, die muss man erstmal sehen, da wird das autonome
Auto nicht zwingend dazu beitragen. Wenn es im Carsharing-System
eingesetzt wird, sicherlich kann es die Probleme abschwächen, aber
lösen wird es sie nicht. Für die deutschen Autohersteller ist
natürlich so eine Vision vom autonomen Fahren die tolle Chance, sich
in einer Führungsrolle zu sehen, in einer zukünftigen Führungsrolle.
Aber man sollte sich nicht nur auf die Führungsrolle von übermorgen
konzentrieren, sondern auch die Probleme des Heute und des Morgen in
Angriff nehmen und da helfen Vorstöße wie vom ACEA-Chef Zetsche
nicht, der gerade erst kürzlich angekündigt hat, man solle die
CO2-Grenzwerte für Pkw erneut abschwächen. Das passt zwar ins Bild
der Konzernchefs, hilft aber der Umwelt natürlich nichts. Ja, man
muss halt klar sehen, dass die Konzernchefs nicht immer unbedingt im
Interesse des Konzerns und der Beschäftigen agieren, sondern ganz oft
an kurzfristige Gewinninteressen denken und an den Aktienkurs.“

Zum 4.O-Ton-Download: http://ots.de/DMlHB

Weitere Informationen

Zu einer aktuellen Pressemitteilung des BUND anlässlich der IAA:
http://ots.de/EMnno

Pressekontakt:
Jens Hilgenberg, BUND-Verkehrsexperte, Tel: 030-27586-467,
Mobil: 0151-56313302 bzw. Annika Natus, BUND-Pressesprecherin,
Tel. 030-27586-464, E-Mail: presse@bund.net; www.bund.net

Original-Content von: BUND, übermittelt durch news aktuell

Kurz-URL: http://www.88news.de/?p=1530035

Erstellt von an 14 Sep 2017. geschrieben in Auto/Verkehr. Sie können allen Kommentaren zu diesem Artikel folgen unter RSS 2.0. Sie können einen Kommentar schreiben oder einen trackback setzen zu diesem Artikel

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