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„Das universelle Auge“






 

Im Handyzeitalter kennt Fotografie keine Grenzen. Kein Motiv, das per Smartphone nicht spontan abgelichtet werden könnte: Kinder, Tiere, Straßenszenen, Alltagsgegenstände. Genau so, wie es Anton Stankowski vor vielen Jahrzehnten gemacht hat. Der Gestalter von Weltrang, das Universalgenie – Grafikdesigner, Maler und Fotograf – bezeichnete sich selbst als Besessener. Besessen vom Suchen und Finden. Das bescherte der Nachwelt eine Hinterlassenschaft von sage und schreibe 40.000 Fotografien. 80 Schwarzweißaufnahmen aus der bedeutenden Sammlung der Kreissparkasse sind jetzt in den Filialräumen in Echterdingen unter dem Titel „Das universelle Auge“ zu sehen.

Anton Stankowski als Vorläufer der totalen Fotografie? Man kann es sich vorstellen, wenn man Dr. Tobias Wall zuhört, der im Rahmen der Vernissage in das Werk einführte, aber die Fotografien ganz bewusst nicht erklärte. Der Junge mit der Schleuder vom Ausstellungsplakat, zwei Brotscheiben, ein Fisch, eine Büroklammer, Erbsen in der Dose – diese Dinge sind selbsterklärend und lassen doch viele Interpretationen zu. Jeder Betrachter kann, jeder darf seine eigene Geschichte zu der Langzeitbelichtung eines Säuglings, den blumenpflückenden Mädchen, den Blinde-Kuh-spielenden Erwachsenen und der abgelichteten Kreidezeichnung auf Asphalt mit dem Titel „Kommunist haut SA-Mann“ entwickeln.

Die Liebe zur Fotografie entdeckte „der Meister des Sehens und der Form“ in den 30-er Jahren, so Regionalbereichsleiter Peter Heckl in seiner Begrüßung. Die Aufnahmen dienten als „Sprungbrett zum Weltruhm“, führte Tobias Wall weiter aus, der die Ausstellung gemeinsam mit dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Kreissparkasse Dr. Karl O. Völter zusammengestellt hat.

Stankowski war einer der bedeutendsten deutschen Grafikdesigner und Vertreter der konkreten Kunst des 20. Jahrhunderts. Er schuf Logoklassiker wie das Piktogramm des Landkreises, des Süddeutschen Rundfunks und das weltberühmte Markenzeichen der Deutschen Bank. Er zeichnete auch verantwortlich für das ehemalige Corporate Design der Kreissparkasse.

Anton Stankowski wurde am 18. Juni 1906 in Gelsenkirchen geboren und begann seine Karriere als Dekorationsmaler, studierte von 1926 bis 1928 an der Essener Folkwangschule und begann früh, mit Fotografie zu experimentieren. Sein Durchbruch kam mit der Teilnahme an der bedeutenden Werkbundausstellung „Film und Foto“ 1929 in Stuttgart. Er gilt als Hauptvertreter des „Neuen Sehens“. Die Suche nach formaler Strenge stand im Vordergrund.

Die räumlichen und graphischen Aspekte in den Ablichtungen des künstlerisch-experimentellen Fotografen sind im ersten Stock der Filiale Echterdingen zu entdecken: ein Kinderball, ein Weckglas, eine Büroklammer sowie ein Löffel und eine Gabel, die kerzengerade, wie ein altes Ehepaar im Serviettenbett liegen. Im Erdgeschoss sind die dokumentarischen Serien, anrührende Momentaufnahmen aus der Ära vor Photoshop. Den farbigen Kontrapunkt zur Schwarzweißfotografie setzen vier große Gemälde Stankowskis an den Brüstungen.

Die Werkschau endet am 7. Oktober und ist während der üblichen Öffnungszeiten der Filiale Echterdingen zu sehen.

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Erstellt von an 5 Jul 2016. geschrieben in Bilder, Kultur. Sie können allen Kommentaren zu diesem Artikel folgen unter RSS 2.0. Sie können einen Kommentar schreiben oder einen trackback setzen zu diesem Artikel

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