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Für ehrliche Verbrauchsangaben: Neues Prüfverfahren für Pkw WLTP führt nicht zu ehrlichen Spritverbrauchsangaben und rechtskonformer Abgasreinigung





Deutsche Umwelthilfe fordert Autokonzerne auf,
endlich ehrliche Spritverbrauchsangaben zu machen – Unabhängige
behördliche Nachmessungen auch auf Basis von Straßenmessungen und
wirksame Sanktionen bei Verstößen rechtlich möglich und notwendig –
Manipulationen sind auch beim neuen Prüfverfahren WLTP möglich – DUH
startet E-Mail-Protestaktion für ehrliche Spritangaben

Seit dem 1. September 2017 gilt in der EU ein neues Prüfverfahren
zur Bestimmung der Abgasemissionen und des Kraftstoffverbrauchs von
neuen Pkw-Fahrzeugtypen. Im Rahmen der Typprüfung neuer Modelle und
Motorvarianten löst der WLTP (Worldwide Harmonized Light-Duty
Vehicles Test Procedure) den in die Jahre gekommenen NEDC (New
European Driving Cycle) ab. Nach Ansicht der Deutschen Umwelthilfe
(DUH) wird dieser Umstieg nicht automatisch zu ehrlicheren Abgas- und
Spritverbrauchswerten führen. Die Umwelt- und
Verbraucherschutzorganisation fordert, dass im Zuge der parallel zum
WLTP durchgeführten, verpflichtenden Straßentests (RDE-Tests) auch
die hier ermittelten CO2-Werte veröffentlicht und für die
Typzulassung herangezogen werden. Von den Autokonzernen fordert die
DUH, dass sie den Wechsel des Prüfprotokolls dazu nutzt, wie in den
USA endlich ehrliche Spritverbrauchs- und damit CO2-Angaben zu
machen. Von den nationalen Behörden fordert die DUH unabhängige
amtliche Nachmessungen und die Verhängung von Sanktionen und
Strafzahlungen bei Verstößen.

„Die Ausgestaltung des alten Testsystems musste jahrelang als
Ausrede für die immer größer werdende Lücke zwischen offiziellen
Spritverbrauchsangaben und realem Verbrauch herhalten. Es ist zu
befürchten, dass auch nach Einführung des WLTP die Manipulationen und
der seit Jahren anhaltende Betrug der Autoindustrie am Kunden und am
Staat weitergehen. Wir fordern die Autokonzerne auf, endlich ehrliche
Verbrauchsangaben zu machen“, fordert Barbara Metz, stellvertretende
Bundesgeschäftsführerin der DUH.

Bereits vor fünfzehn Jahren hat die DUH damit begonnen, die
jährlich zunehmende Abweichung zwischen den Norm- und Realverbräuchen
zu veröffentlichen. Von anfangs circa 10 Prozent sind die
Abweichungen auf durchschnittlich über 42 Prozent angestiegen, ohne
dass sich das zugrundeliegende Messverfahren geändert hat. Alle
Versuche der DUH, das zuständige Kraftfahrt-Bundesamt zu den
rechtlich vorgeschriebenen amtlichen Nachkontrollen und Strafen zu
bewegen, sind bis heute gescheitert. Realitätsnähere
Spritverbrauchswerte wird auch der WLTP nicht automatisch bringen.

Der neue Prüfzyklus ist zwar dynamischer und er beinhaltet eine
höhere Durchschnitts- und Höchstgeschwindigkeit. Um realitätsnähere
CO2-Werte zu ermitteln, müssen jedoch Manipulationen verhindert
werden, die nach wie vor auch beim WLTP möglich sind. Entscheidend
ist, dass die veröffentlichten Normangaben mit den durchschnittlichen
Realverbräuchen der Autofahrer übereinstimmen. Dass dies möglich ist,
zeigt das Beispiel der USA, wo Hersteller bei Abweichungen von mehr
als 4 Prozent hohe Strafzahlungen leisten müssen.

„Die Wahrheit liegt auf der Straße. Das gesamte Verfahren kann
ehrlicher und deutlich weniger bürokratisch ablaufen, wenn wir
künftig anstelle der für Manipulationen anfälligen Labortests auf
realistische Messungen auf der Straße setzen,“ sagt Axel Friedrich,
internationaler Verkehrsexperte. Die ebenfalls seit dem 1. September
2017 vorgeschriebenen RDE-Messungen müssten daher nicht nur wie
bislang vorgesehen die Partikelzahl und Stickoxide ermitteln, sondern
auch die CO2-Werte veröffentlichen, die bei diesen Tests generiert
werden. Deshalb fordert die DUH, dass in Zukunft die CO2-Werte auf
der Straße gemessen werden.

Das Ziel muss sein, dass die aktuellen durchschnittlichen
Abweichungen von 42 Prozent auf unter 4 Prozent gebracht werden.
Trotz dieser den Verbraucher täuschenden und der Umwelt schadenden
Entwicklung verzichtet die Bundesregierung aber seit Jahren bewusst
auf Nachprüfungen und amtlich verfügte Korrekturen der
Spritverbrauchsangaben der Hersteller. Auch mit der Einführung des
WLTP sei langfristig nicht mit einer signifikanten Verbesserung zu
rechnen. „Gleich zur Einführung des neuen Prüfverfahrens muss
sichergestellt werden, dass die Angaben der Hersteller von einer
unabhängigen Stelle überprüft werden“, so Friedrich weiter.

Zudem enthält das Verfahren zur Umrechnung der Werte aus altem
(NEDC) und neuen (WLTP) Verfahren abermals Schlupflöcher, die vor
allem diejenigen Hersteller begünstigen, die die Verbrauchswerte
besonders dreist künstlich nach unten drücken. Zudem ist das
Verfahren der Umwandlung von alten in neue Laborwerte ausgesprochen
intransparent. Allein Zulassungsbehörden und Automobilhersteller
haben Zugang zu den entsprechenden Daten und können den entwickelten
Umwandlungsfaktor nachvollziehen. Die eingehenden Daten werden nicht
veröffentlicht. „Das ist nicht akzeptabel,“ so Friedrich weiter,
„auch hier muss Transparenz herrschen.“

Erhöhter Kraftstoffverbrauch führt nicht nur zu erheblichen
Mehrkosten beim Kunden, sondern schadet auch dem Klima. Die
CO2-Emissionen aus dem Verkehr steigen weiter an und liegen aktuell
sogar um zwei Millionen Tonnen höher als 1990. Doch wie beim
Dieselskandal steuert die Bundesregierung bislang nicht gegen,
sondern nimmt den Betrug am Kunden, am Staat und am Klima billigend
in Kauf. Die im Klimaschutzplan der Bundesregierung festgelegte
CO2-Minderung für den Verkehrssektor um 40 Prozent bis 2030 wird so
nicht annähernd erreicht werden. „Statt sich für reale
Spritverbrauchswerte einzusetzen, rechnet sich die Regierung den
Klimaschutz lieber schön“, so Metz.

Die DUH hat auf der Kampagnen-Plattform change.org eine Petition
gestartet http://bit.ly/2vKqRJh und fordert Matthias Müller (VW),
Dieter Zetsche (Daimler) und Harald Krüger (BMW) auf, endlich
ehrliche Spritangeben zu machen. „Zur Wiedererlangung von Vertrauen
in die deutsche Vorzeigeindustrie gehört auch ein Ende der falschen
Verbrauchsangaben. Die Spritkosten bei einem neuen Pkw über dessen
Laufzeit sind bis zu 7.000 Euro höher als der Hersteller angibt. Und
auch das Klima zahlt drauf“, sagt Metz und ruft dazu auf, den drei
Vorstandsvorsitzenden unter https://www.duh.de/spritluege/ eine
persönliche Protestmail zu senden.

Die Kampagne „Get Real – Für ehrliche Spritangaben!“ wird im
Rahmen des LIFE-Programms der EU-Kommission gefördert und läuft bis
Anfang 2020.

Links:

Zur E-Mail-Protestaktion: https://www.duh.de/spritluege/
Pressefotos finden Sie ab ca. 12.30 Uhr online unter:
http://l.duh.de/p170906
Zum GetReal-Hintergrundpapier: http://l.duh.de/p170906
Kampagnenwebseite: http://www.get-real.org
Informationen zum Thema Spritverbrauch:
http://www.duh.de/projekte/mehrverbrauch/

Kontakt:

Barbara Metz, Stellvertretende Bundesgeschäftsführerin
0170 7686923, metz@duh.de

Dr. Axel Friedrich, Internationaler Verkehrsberater
0152 29483857, axel.friedrich.berlin@gmail.com

DUH-Pressestelle:

Andrea Kuper, Ann-Kathrin Marggraf
030 2400867-20, presse@duh.de

www.duh.de, www.twitter.com/umwelthilfe, www.facebook.com/umwelthilfe

Original-Content von: Deutsche Umwelthilfe e.V., übermittelt durch news aktuell

Kurz-URL: http://www.88news.de/?p=1526968

Erstellt von an 6 Sep 2017. geschrieben in Auto/Verkehr. Sie können allen Kommentaren zu diesem Artikel folgen unter RSS 2.0. Sie können einen Kommentar schreiben oder einen trackback setzen zu diesem Artikel

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