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Glyphosat im Bier – Bundesinstitut verharmlost Gefahren





Heute veröffentlichte das Umweltinstitut München
Testergebnisse, die das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat in den 14
absatzstärksten Bieren der beliebtesten deutschen Biermarken
nachweisen. Diese Veröffentlichung hat zu vielfältigen Reaktionen
geführt, unter anderem von Seiten des Deutschen Brauer-Bundes und des
Bundesinstituts für Risikobewertung.

Zur heute erschienenen Stellungnahme des Bundesinstituts für
Risikobewertung (BfR) zur Glyphosatbelastung von Bier (1) erklärte
Karl Bär, Referent für Agrarpolitik beim Umweltinstitut: „Es ist
erschreckend, dass ausgerechnet eine für Verbraucherschutz zuständige
Bundesbehörde die Gefahren von Glyphosat herunterspielt. Wenn ein
Stoff mit hoher Wahrscheinlichkeit krebserregend ist, haben auch
geringe Mengen bereits das Potenzial, Schaden anzurichten. Eine
sichere tägliche Aufnahmedosis kann dann nicht benannt werden. Die
Behauptung des BfR, man müsse schon 1000 Liter Bier trinken um eine
gefährliche Menge Glyphosat aufzunehmen, ist geschickte
Öffentlichkeitsarbeit im Sinne der chemischen Industrie.“

Die Position des BfR basiert auf der hoch umstrittenen Einschätzung
des Bundesinstituts, Glyphosat wäre nicht krebserregend. Das BfR
widerspricht damit der Einstufung der Internationalen
Krebsforschungsagentur (IARC) der Weltgesundheitsorganisation, die
den Stoff als „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“ einstuft.
Das BfR wurde für diese Positionierung von der unabhängigen
Wissenschaft stark kritisiert. So heißt es in einer Erklärung
renommierter WissenschaftlerInnen: „Wir haben diese beiden
unterschiedlichen Urteile über die krebserregende Wirkung von
Glyphosat bei Menschen untersucht und kommen zu dem Ergebnis, dass
das Urteil der Arbeitsgruppe der IARC bei weitem glaubwürdiger ist.
[…] Im Gegensatz dazu ist das Urteil des BfR nicht glaubwürdig,
weil sie sich nicht auf Beweise stützt und nicht in einem offenen und
transparenten Vorgehen zu Stande gekommen ist.“ (2)

Die Quantifizierungsgrenze für die in der Untersuchung des
Umweltinstituts verwendete ELISA-Methode beträgt nach Angaben des
beauftragten Labors 0,075 Mikrogramm pro Liter (µg/l). Das entspricht
0,075 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) oder 75 Nanogramm pro Liter
(ng/l). Die drei Biere, in denen die höchsten Messwerte gefunden
wurden, hat das Institut bei einem anderen Labor, das die
LC-MS/MS-Methode benutzt, gegenprüfen lassen. Diese Methode, die auch
vom BfR verwendet wird, hat eine deutlich höhere
Quantifizierungsgrenze von 10 ng/ml bzw. 10.000 ng/l. Bei diesem
Quertest haben sich die früheren Testergebnisse bestätigt. Marike
Kolossa, Leiterin des Fachgebiets gesundheitsbezogene
Umweltbeobachtung im Umweltbundesamt sagte dazu der FAZ: „Mit der
Elisa-Methode gemessene und dann mit der LC-MS/MS-Methode bestätigte
höhere Werte können als nachgewiesen gewertet werden“ (3)

Das Umweltinstitut hat entgegen anderslautender Vorwürfe des
Deutschen Brauer-Bundes kein „Ranking“ der getesteten Biersorten
vorgenommen. Es ist nicht das Ziel der Veröffentlichung, Bier
bestimmter Marken oder aus bestimmten Regionen auf- oder abzuwerten.
In der Veröffentlichung sind die Biere bewusst nicht nach den
gemessenen Glyphosatwerten, sondern nach den Verkaufszahlen der
Biermarken sortiert. Ferner heißt es dazu wörtlich im
Hintergrundpapier: „Die hier veröffentlichten Werte geben […]
lediglich die Belastung der jeweils untersuchten Charge wieder und
erlauben keine generelle Aussage über die Belastung des Bieres einer
bestimmten Marke.“ (4)

Das Umweltinstitut hat auch nie behauptet, dass Braugerste kurz
vor der Ernte mit Glyphosat behandelt wird, um die Ernte zu
erleichtern („Sikkation“). In der Veröffentlichung heißt es dazu
wörtlich: „Bei Getreide, das für Brauzwecke vorgesehen ist, ist der
Einsatz von Glyphosat zur Beschleunigung des Reifeprozesses kurz vor
der Ernte (die sogenannte „Sikkation“) verboten, da die Keimfähigkeit
des Getreides sonst stark eingeschränkt wäre und sich daraus kein
Malz mehr gewinnen ließe.“ (5)

Erfreulich seien laut Bär die ersten Reaktionen von Brauereien,
die nach der Veröffentlichung ihre eigenen Biere genauer testen
lassen und beim Kauf von Rohstoffen in Zukunft noch genauer hinsehen
wollen. Das gemeinsame Ziel von Verbraucherschützern und Brauereien
sollten saubere, gut und fair produzierte Lebensmittel sein. Da das
auch eine Aufgabe der Politik ist, unterstütze das Umweltinstitut
ausdrücklich die Bitburger Brauerei, die sich zur anstehenden
Neuzulassung von Glyphosat folgendermaßen äußerte: „Demnächst
entscheidet die EU-Kommission über die Verlängerung der Zulassung von
Glyphosat in der Landwirtschaft um weitere 15 Jahre. Wir hoffen, dass
die Politiker eine Entscheidung im Sinne der Verbraucher in Europa
treffen werden.“ (6)

Anmerkungen:

(1) http://ots.de/hGkiJ
(2) http://ots.de/6TeAL
(3) http://ots.de/8W0Tn
(4) http://ots.de/OraTm
(5) ebd.
(6) http://ots.de/jcCd0

Kontakt:

Umweltinstitut München
Landwehrstr. 64a
80336 München

Sophia Guttenberger: sg@umweltinstitut.org
Referentin für Gentechnik und Verbraucherschutz
Tel: 089 – 30 77 49 24

Karl Bär: kb@umweltinstitut.org
Referent für Agrarpolitik
Tel: 089 – 30 77 49 34

Fabian Holzheid: fh@umweltinstitut.org
Vorstand, Pressesprecher
Tel: 089 – 30 77 49 19

Kurz-URL: https://www.88news.de/?p=1325996

Erstellt von an 25 Feb 2016. geschrieben in Essen/Trinken. Sie können allen Kommentaren zu diesem Artikel folgen unter RSS 2.0. Sie können einen Kommentar schreiben oder einen trackback setzen zu diesem Artikel

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