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Heilbronner Stimme: Einstiger Co-Pilot Jürgen Vietor lobt Überführung der „Landshut“ nach Deutschland – Vietor schildert Eindrücke der Entführung im Interview





Vor dem 40. Jahrestag der „Landshut“-Entführung
durch palästinensische Terroristen am 13. Oktober 1977 hat der
damalige Co-Pilot der Lufthansa-Maschine, Jürgen Vietor, die
Überführung des Airbus nach Deutschland gelobt. „Die Maschine ist ein
Symbol des Deutschen Herbstes. Während es jede Menge Bücher und Dokus
gibt, werden aber die Zeitzeugen bald nicht mehr leben. Es bleibt nur
noch ein physisches Monument übrig, die Landshut“, sagte Vietor der
„Heilbronner Stimme“ (Mittwoch). Auch wenn die Überführung nach
Deutschland viel Geld gekostet habe: „Ich finde, nun können die
Jüngeren direkt daran erinnert werden und sich damit
auseinandersetzen, was vor 40 Jahren in Deutschland los war:
brutalster Terrorismus, Schleyer-Entführung und Ermordung,
Lufthansa-Entführung, Selbstmorde in Stammheim. Alles wird im
Dornier-Museum pädagogisch gut aufbereitet.“

Vietor kritisierte den Umgang mit der RAF-Geschichte in
Deutschland. „Grundsätzlich wird meist über die Täter gesprochen. Zum
Beispiel kann sich das frühere RAF-Mitglied Peter-Jürgen Boock im
Fernsehen und in den Printmedien ausführlich darstellen, was
eigentlich unerträglich ist. Es gibt meterweise Literatur über Täter,
aber kaum etwas über Opfer. Unter Opfern verstehe ich die Witwen und
die Halbwaisen, die insgesamt 33 durch die RAF Ermordeten wie
Polizisten, Leibwächter und Bankiers“, sagte der frühere Co-Pilot
weiter.

Nach der Entführung habe die Lufthansa ihm psychologischen
Beistand angeboten, den er aber nicht wahrgenommen habe, erklärte
Vietor. „Ich versuchte so zu tun, als hätte es die Entführung nicht
gegeben. Nach einem Sonderurlaub bin ich bereits am 29.12.1977 wieder
mit der Landshut geflogen, danach noch 42 Mal.“

Vietor erinnert sich noch gut an den Moment der Entführung: „Wir
waren gerade über Toulon. Ich habe unten den Hafen angeguckt. In dem
Moment kam der Mahmut rein. Zuerst dachte ich, was ist das für ein
Radau hinten? Ist da ein Servierwagen irgendwo dagegen geschlagen?“,
erzählt der ehemalige Pilot dem Blatt. „Dann ging die Türe auf, die
Pistole auf Kapitän Schumanns Kopf, mich hat er in die Rippen
getreten und „out out out!“ gebrüllt. Ich sollte zwei Mal erschossen
werden. Als Mahmut das „J“ auf meiner Junghans-Uhr erblickte, glaubte
er, ich sei Jude. Ich musste im Gang hinknien und der Entführer
richtete die Pistole auf meinen Kopf. Schumann konnte im letzten
Moment aufklären und ich musste meine Uhr zertrümmern. Ein anderes
Mal rutschte mir beim Funkverkehr das Wort „Terrorist“ heraus, was
Mahmut außer sich brachte. Er setzte seine Pistole auf meine Stirn.
Sekunden vor Ablauf eines Ultimatums ließ er die Waffe sinken.“

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Erstellt von an 11 Okt 2017. geschrieben in Kultur. Sie können allen Kommentaren zu diesem Artikel folgen unter RSS 2.0. Sie können einen Kommentar schreiben oder einen trackback setzen zu diesem Artikel

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