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Melanie Hennings






 

Siegmar Gabriel hatte kein gutes Gefühl. Was war das hier eigentlich? Von der Seite beäugte er die junge, sehr blonde, sehr aufgekratzte Frau, die im Schneidersitz in ihrem Jungmädchenbett saß. Er saß im gleichen Bett, und er fragte sich, was für einen Eindruck das wohl machte. Bürgernähe, gut und schön, aber ob das beim Wähler richtig rüberkam? Und war diese Frau überhaupt schon volljährig? Offenbar bemerkte sie seine Nervosität, denn plötzlich stupste sie ihn in die Seite und sagte mit ihrer quieksigen Stimme: „Hey, mach dir keine Sorgen, ist ganz einfach. Du musst nur in die Kamera reden, die der Julian da hält.“ Als ob er das noch nie getan hätte, in eine Kamera zu sprechen. Wusste sie eigentlich, wer er war?

„Is’ klar, cool“, antwortete er. Sagte man das noch, cool? Gabriel verfluchte seinen Büroleiter. Der hatte ihm alles eingebrockt. Gut, er selbst, Gabriel, hatte die Sache aufgebracht, als bekanntwurde, dass die Merkel sich von diesem Youtuber interviewen ließ. „LeFloid“, allein schon der Name. Aber im Netz, hatte sein Büroleiter versichert, eine große Nummer. 2,6 Millionen Abonnenten. Gabriels eigener Video-Podcast war im Juni bei Youtube nur 4484 Mal geklickt worden, obwohl der Titel, „Starke Ideen für Deutschland 2025“, ganz pfiffig war. Merkel bei LeFloid aber sahen 2,6 Millionen zu, junge Leute, Erstwähler. Gabriel hatte ein Foto gesehen, LeFloid und seine Freunde, alle die Hände in den Hosentaschen, neben Merkel mit ihrer Raute. Sie war ihm mal wieder einen Schritt voraus.

Und er wollte sie einholen. „Ich will auch einen Youtuber“, hatte er befohlen. „Einen sympathischen. Eine Frau!“ Man konnte nicht sagen, dass seine Leute nicht gespurt hätten, schließlich saß er jetzt hier. Neben Bibi.

Beauty ist nicht direkt sein Thema: Sigmar Gabriel
In Wahrheit hieß sie Bianca, stand in den Papieren, die sein Referent ihm gegeben hatte, Bianca Heinicke. 2,1 Millionen Abonnenten, immerhin. Nur der Name ihres Kanals hätte ihn misstrauisch stimmen müssen: „Bibis Beauty Palace“. Beauty war nicht direkt sein Thema, und mit Palästen hatte es die SPD auch nicht so. Wobei es ihn schon überrascht hatte, dass Bibis Palast ein Mädchenzimmer in ihrer Kölner Wohnung war.

„Es geht looos!“, kreischte Bibi. Gabriel beeilte sich, staatsmännisch zu gucken. Oder war das auch wieder falsch?

„Hallihallo, ihr Lieben“, quiekte Bibi. „Heute habe ich wieder einen Gast, aber wie ihr seht, ist es nicht DagiBee – hallo Dagi, du Süße! – und nicht der Julian, denn der muss drehen und zugucken, wie ich mit einem anderen Typen quatsche, und zwar mit dem Sigmar!“

Sein Team hatte gemeint, er sollte sich als Sigi ansprechen lassen, Bibi und Sigi, aber dagegen hatte er sich verwahrt. Da wäre das alte Sigi-Pop-Trauma hochgekommen, als die Genossen ihn zum Pop-Beauftragten machten, aber davon wusste eine wie Bibi sicher nichts. Sigmar war okay, und zum Glück sagte Bibi jetzt nicht Dietmar zu ihm wie noch bei der Begrüßung an der Tür. „Hallöchen“, sagte Gabriel. Sollte locker klingen, klang aber vermutlich affig. Hallöchen Popöchen.

„Der Sigmar, der macht fleißig Politik“, plapperte Bibi, „und zwar zusammen mit der Angela Merkel, die ist bestimmt total nett, oder?“ Das lief wirklich in die komplett verkehrte Richtung.

„Menschlich“, hob Gabriel an, „verstehe ich mich mit der Bundeskanzlerin bestens, politisch arbeiten wir gut zusammen, auch wenn wir in Sachfragen Differenzen …“ – „Das Jungs-Mädchen-Ding, logisch“, quäkte Bibi dazwischen, „wie bei unserem ,Das turnt Jungs bei Mädchen ab‘-Tutorial, das war so geil!“

„Also, abturnen würde ich nicht …“, stotterte Gabriel. Hoffentlich wurde das hier nicht live gesendet. „Aber sag mal, was machst du denn so als Politiker?“ – „Im Mittelpunkt“, sagte Gabriel, „stehen die Menschen. Als Bundeswirtschaftsminister muss ich im Blick haben, dass es den Menschen gutgeht, ob es nun die Energiewende ist oder TTIP …“

„Tipps sind super“, rief Bibi. „Ich habe wieder viele Tipps für euch, einen ganz tollen Lip Balm oder diese Anti-Fett-Tücher, wenn ihr zum Beispiel so schwitzt wie jetzt der Sigmar hier.“ Sie tupfte ihm über die Stirn.

Es waren die längsten zehn Minuten in Gabriels Leben, aber irgendwie überstand er alles. Bibis Kichern, die Fragen nach seinen Lieblingsprodukten im Bad, die quälenden Sekunden, in denen sie seine Augenbrauen zupfte. Und sogar die unangekündigte Challenge, in der er mit Bibi um die Wette Luftballons zum Platzen bringen musste, indem sie mit den Zähnen hineinbissen. Jetzt wusste er auch, wieso er die SPD-Ballons mitbringen musste. War das Logo überhaupt zu sehen gewesen? Weil Bibi schneller war als er, musste er sich von ihr einen Pappteller mit Sprühsahne ins Gesicht klatschen lassen, was gar nicht so schlimm war. Gabriel mochte Sprühsahne.

Als er, Sahnereste am Kragen, Bibis Wohnung verließ, schwirrte ihm der Kopf. Sein Referent bat Bibi noch, vor der Ausstrahlung eine Videokassette des Films in die SPD-Zentrale zu schicken. Das Letzte, was er hörte, bevor sich die Tür schloss, war Julians Stimme. „War ziemlicher Mist“, sagte er, „ich glaube, davon können wir nichts gebrauchen.“

Nun geht es zu einer anderen Dame. Älter, angenehme Stimme, bodenständig, gelassen und ein Internet Phänomen: Melanie Hennings

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Erstellt von an 18 Sep 2015. geschrieben in Bilder, Mode/Fashion. Sie können allen Kommentaren zu diesem Artikel folgen unter RSS 2.0. Sie können einen Kommentar schreiben oder einen trackback setzen zu diesem Artikel

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