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Nächste Ausstellung bei Berlinartprojects | Tilted Space: Ulrich Riedel & Emre Meydan






 

Im April 2017 veranstaltet BERLINARTPROJECTS eine Begegnung zwischen zwei Künstlern, deren gemeinsames Interesse für die Erscheinung von räumlicher Wirkung und die Grenzen der Perspektive ihre sehr unterschiedlichen Arbeitsweisen zusammenbringt. In dieser Ausstellung trifft Skulptur auf Malerei. Es handelt sich um einen Austausch zwischen den geometrischen Strukturen Ulrich Riedels und Emre Meydans subtilen Bildern abstrahierter Innenräume. Beide Künstler verwenden optische Täuschungen und Verzerrungen, um die Repräsentation von Raum und die Behandlung von Perspektive zu hinterfragen. Dabei arbeitet Riedel eher auf einer monumentalen Ebene und Meydan auf einer intimeren. Jedoch übertrifft der eine nicht den anderen. Vielmehr geht es dabei um das Zusammenspiel zwischen den Arbeiten und um eine kollaborative und experimentale Herangehensweise. Im Zentrum der Ausstellung steht eine gemeinsame Arbeit von Riedel und Meydan, das Ergebnis ihrer Diskussionen zum Thema Tiefenwirkung, räumliche Dimensionen und Dreidimensionalität.

Beim Betreten der Ausstellung stechen insbesondere Riedels imposante Holzstrukturen hervor. Diese spielen mit unserer Wahrnehmung von räumlicher Ausdehnung mit ihrer stark geometrischen Ausprägung und wellenden Formen, die den Eindruck von weiteren Volumen geben. Die Komplexität der großformatigen aber jedoch zurückhaltenden Arbeiten, die auf genauen Kalkulationen und den Prinzipien des Bauwesens basiert, wird durch deren ineinandergreifenden Form deutlich. Die minimalistischen Arbeiten Riedels bewegen sich mühelos zwischen Zwei- und Dreidimensionalität und spielen bewusst mit der räumlichen Wahrnehmung, indem sie von jedem Blickwinkel anders aussehen.

Die subtilen Farben von Meydans Bildern entsprechen den neutralen Tönen Riedels. Seine abstrahierten Innenräume spielen mit der Tiefenwirkung ohne völlig dreidimensional zu werden, was der Künstler „zwei und ein halb Dimensionen“ nennt. Die flache Oberfläche der Leinwand wird von ihm aufgeschlitzt und wieder zusammengestrickt. Oftmals lässt er den Stoff die Grenzen des Rahmens überschreiten und befestigt ihn an die Wand des Ausstellungsraums. Für das Zusammennähen der verschiedenen Teile der Leinwand verwendet Meydan Faden, den er in einer Arbeit sogar über die ganze Wand in einer geraden Linie laufen lässt. Auf der Suche nach neuen Formen der Tiefenwirkung strebt der Künstler die Dekonstruktion der Leinwand an und so auch das Loslösen von Stoff und Rahmen. Für seine hybriden Arbeiten, die sich mit großer Leichtigkeit zwischen verschiedenen Dimensionen bewegen, verwendet der Künstler überwiegend Weiss- und Pastelltöne, sodass die Linien ineinander zu verschmelzen beginnen und das Motiv an sich fast verschwindet. So wird das zentrale Spannungsverhältnis in Meydans Kunst deutlich: Einerseits will er eine gewisse Tiefe in seinen Werken erzeugen, andrerseits versucht er durch seine Farbwahl das Motiv wieder zu löschen. Dadurch entstehen das ständige Verschärfen und Verschwimmen seiner Bilder und das Gefühl von ewigem Wachsen und Schwinden.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die kollaborative Arbeit Riedels und Meydans, die als symbolische Verschmelzung beider Arbeitsweisen fungiert. Für die Struktur, den Rahmen, das Rückgrat des Werks war Riedel zuständig während Meydan den Innenbereich mit seiner subtilen Herangehensweise und intuitiven Interpretation von geschlossenen Räumen entwickelte.

Die Konzeption von Raum und dessen Wahrnehmung spielen eine zentrale Rolle in der Malerei und in der Skulptur. Skulpturen sind dreidimensional, sie werden aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet und der Künstler muss sie alle beim Schaffen der Arbeit berücksichtigen. Bilder sind hingegen flache Oberflächen und verwenden optische Täuschungen, um Tiefenwirkung zu erzeugen. Im Fall von Tilted Space ist es jedoch Riedel, der die Illusion von weiteren Volumen in seinen Holzstrukturen anstrebt, und Meydan derjenige, der seine Leinwände dreidimensional macht und sie weit über den Rahmen hinaus ausdehnen lässt. Somit werden die ästhetischen Traditionen beider Medien umgekehrt und der dialogische Charakter des Austauschs zwischen den zwei Künstlern in den Vordergrund gerückt.
(Text: Katja Taylor)

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Erstellt von an 3 Apr 2017. geschrieben in Bilder, Kultur. Sie können allen Kommentaren zu diesem Artikel folgen unter RSS 2.0. Sie können einen Kommentar schreiben oder einen trackback setzen zu diesem Artikel

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