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Neue Westfälische (Bielefeld): 500 Jahre Reformation Aus der Revolution gelernt Carsten Heil





Für die evangelischen Christen geht mit dem
heutigen Reformationstag ein Feierjahr zu Ende. Sie haben es
Reformationsjahr genannt, weil ihnen der Begriff „Lutherjahr“ zu
konfrontativ ihren katholischen Glaubensgeschwistern gegenüber war
und zu eingeengt auf einen einzelnen Menschen. Das war eine kluge
Entscheidung. Denn so wurde es möglich, auch die heutige Ähnlichkeit
und Gemeinsamkeit der beiden Konfessionen in den vergangenen zwölf
Monaten zu feiern. Und es ging nicht allein um die persönlichen
Stärken und Schwächen des Menschen Martin Luther. Schließlich war
beides bei ihm im Übermaß vorhanden und wird nach wie vor intensiv
diskutiert. Tatsächlich ist es den Christen gelungen, die Ökumene,
das Gemeinsame zum Thema zu machen, obwohl der eigentliche Anlass des
Gedenkens die Trennung war. Das ist eine typische evangelische
Leistung. Ein Problem wird mit Geduld und Debattenliebe so lange von
links nach rechts und wieder zurückgewälzt, bis alle mehr oder wenig
einig sind. Das ist mühsam und manchmal nervig, zeitigt auch nur
langsam Erfolge, aber es ist allemal besser als kompromisslos
aufeinander einzudreschen. Da eifern die heutigen Evangelischen ihrem
beinharten Revolutionär Luther zum Glück nicht nach. Denn auch wenn
Luther seine Kirche ursprünglich nur reformieren und nicht spalten
wollte, hat er mit seinem wahrlich revolutionären Denken,
Argumentieren und Handeln die damaligen Christen in der Folge
aufeinander gehetzt. Die Reformation war in Wahrheit eine notwendige
Revolution, aus der die Protestanten im Laufe der Geschichte gelernt
haben. Sie war eine der wenigen erfolgreichen Revolutionen in
Deutschland, die sogar noch die friedliche Revolution von 1989
beeinflusst hat. Diese Entwicklung ist auch dem Islam zu wünschen.
Die erbarmungslosen Kriege zwischen Sunniten und Schiiten, die
Radikalität etlicher seiner Strömungen gegen Nicht-Muslime (so
verhielt sich das Christentum über Jahrhunderte ebenfalls) muss
münden in die Kraft und Zähigkeit der Argumente. So wie auf Synoden
(evangelischen Kirchenparlamenten) bis zur Ermüdung um Kleinigkeiten
mit Worten gerungen wird, so sollten die Auseinandersetzungen
innerhalb des Islams ebenfalls verlaufen. Und nach außen auch. Dann
könnte eine Kultur entstehen, die den Austausch des klaren Wortes
pflegt und die den Terror eindämmt.

Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
Telefon: 0521 555 271
nachrichten@neue-westfaelische.de

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Erstellt von an 30 Okt 2017. geschrieben in Allgemein. Sie können allen Kommentaren zu diesem Artikel folgen unter RSS 2.0. Sie können einen Kommentar schreiben oder einen trackback setzen zu diesem Artikel

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