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Neue Westfälische (Bielefeld): Wirtschaftspolitik des neuen US-Präsidenten Trump Gefährlich Stefan Schelp





Damals, im November vergangenen Jahres, als für
einen Moment die Welt starr vor Schreck verharrte, da erzitterte auch
die Börse. Donald Trump wird nächster Präsident der Vereinigten
Staaten von Amerika – jener dauer-twitternde schräge Vogel, der mit
seinen wahnwitzigen Ideen die Welt zum Einsturz bringen wird? Gnade
uns Gott. Und dann? Dann schüttelten sich die Börsen und legten
beinahe weltweit kräftig zu. Also alles gar nicht so schlimm?
Jedenfalls nicht aus Sicht der Finanzmärkte. Was allerdings auch
nicht wirklich verwundert: Schließlich hat Trump angekündigt, die
ohnehin viel zu wenigen Reglementierungen zurückzudrehen, zu denen
man sich nach der Finanzkrise durchgerungen hatte. Inzwischen hat er
den Anwalt Jay Clayton zum neuen Chef der Börsenaufsicht nominiert.
Ein Wall-Street-Jurist, dessen Name immer mal wieder im Zusammenhang
mit der Pleite der Lehman-Bank genannt wird. Gut möglich, dass unter
dessen Ägide alte Unsitten wiederkehren. Nachvollziehbar, dass sich
die Damen und Herren des Investment-Bankings die Hände reiben. Damit
sind die Banker sicherlich nicht allein. Trump hat ein viele
Milliarden Dollar schweres Investitionspaket angekündigt, mit dem er
insbesondere dem US-amerikanischen Mittelstand auf die Beine helfen
will. Das wird einen Boom auslösen – wenn auch nur auf Pump. Trumps
Wirtschaftsminister, der Miliardär Wilbur Ross, weiß, wie man den
befeuert. Sogar ostwestfälisch-lippische Unternehmen, zum Beispiel
aus dem Maschinenbau, könnten von diesem Boom profitieren. Denn die
US-Firmen, so gut sie auch sein mögen, können nicht alles selbst
herstellen. Schon gar nicht mit der in Deutschland
selbstverständlichen Qualität. Nutznießer sind sie allerdings nur
dann, wenn Trump die Finger vom Protektionismus lässt. Spielt er
diese Karte trotzdem, trifft er damit empfindlich die bisherigen
Handelspartner in aller Welt, zugleich aber auch die Hersteller vor
der eigenen Haustür. Trump wird dann sehr schnell erkennen müssen,
dass die Globalisierung nicht einfach dadurch endet, dass man
versucht, sich aus ihr abzumelden. Die Zeche zahlen dann auch jene
Unternehmen, die jetzt vorsichtshalber schon einmal kuschen: Ford,
das auf ein Werk in Mexiko verzichtet, weil Trump mit Steuern droht.
Und Boeing, das klein beigibt, weil Trump twittert, dass er die Air
Force One zu teuer findet. Einzelne Konzerne mögen zurückstecken –
zumindest fürs Erste. China wird das nicht tun, da mag Trump noch so
sehr poltern und noch so oft mit Taiwan kokettieren. Nur falls das
jemand vergessen haben sollte: China ist der größte Gläubiger der
USA. Mit 1,277 Billionen Dollar stehen die Amerikaner bei den
Chinesen in der Kreide. Schaltet Peking auf stur, ist die
amerikanische Wirtschaft und mit ihr der US-Präsident ziemlich
schnell am Ende. Das Fazit ist wenig beruhigend: Eine enthemmte Wall
Street, ein Investitionsprogramm auf Pump, Protektionismus und
Kräftemessen mit China – Trump ist gefährlich. Und dabei haben wir
über weltweite Krisenherde und den Umgang mit Atomwaffen noch gar
kein Wort verloren.

Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
Telefon: 0521 555 271
nachrichten@neue-westfaelische.de

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Erstellt von an 19 Jan 2017. geschrieben in Allgemein. Sie können allen Kommentaren zu diesem Artikel folgen unter RSS 2.0. Sie können einen Kommentar schreiben oder einen trackback setzen zu diesem Artikel

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