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Ostthüringer Zeitung: Betrachtung von Wolfgang Schütze: Beklemmende Bilder aus Jena





Um es vorweg zu nehmen: Ich gehöre zu den „nur“ 2,89
Millionen Zuschauern, die sich am Mittwochabend den ersten Teil der
Filmtrilogie über den „Nationalsozialistischen Untergrund“ angesehen
haben. Und es hat mir gefallen, was die Filmleute aus Fakten und
Fiktionen zusammendrehten.

Genau genommen gab es am Anfang, „Mitten in Deutschland“, noch
gar keinen NSU, sondern nur eine Gruppe junger Leute, die hin- und
hergerissen waren, nach Orientierung und Halt suchten im
Niemandsland zwischen Diktatur und Demokratie. Jena ist da nur ein
Beispiel für die großen Möglichkeiten und die großen Gefahren, die
sich Anfang der 90er Jahre zeigten: Eltern oder Lehrer, einstige
Autoritäten, büßten an Respekt ein oder waren selbst schwer damit
beschäftigt, sich in der neuen Zeit zurecht zu finden. Jugendliche
Lust an Provokation und Aufruhr traf, wenn man Pech hatte, auf Leute,
die wussten, wie man falsche Ziele gut verkauft, einem als öde
empfundenen Leben neuen – verheerenden – Sinn gibt. Auch die Beate
Zschäpe im Film weiß anfangs nicht genau, was sie mit der neuen
Freiheit anfangen soll. Eine Freundin aus wilden Jugendtagen, die
bei ihr bleibt, und vor allem ein anderer, besserer Kerl als Uwe
Mundlos – und was hätte aus der jungen Frau doch Vernünftiges werden
können? Ein auch auf diese Situation passendes, wunderbares Lied hat
Hansi Biebl, damals weithin bekannter Gitarrist, zehn Jahre vor
der Wende geschrieben. „Es gibt Momente“, heißt es darin, „da
stellen sich die Weichen / und selten und selten von allein. /
Entscheidungen fallen / die in die Zukunft reichen …“ Zschäpe war
im Gegensatz zu anderen aus der rechten, später
rechtsextremistischen Szene in Jena anfangs nur Mitläuferin. Aber –
und das zeigt der Film in beklemmenden Bildern – sie lernte das
Falsche sehr schnell. Anna Maria Mühe spielt Zschäpe als letztlich
Nazi-Braut, die auf keinen Fall Opfer, sondern am liebsten
Anführerin sein will. Soweit ihre Film-Rolle. Ob dies auch dem Leben
entsprach, werden die Richter in München beurteilen.

Pressekontakt:
Ostthüringer Zeitung
Redaktion Ostthüringer Zeitung
Telefon: +49 (0) 365  / 77 33 11 13
redaktion@otz.de

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Erstellt von an 31 Mrz 2016. geschrieben in Allgemein. Sie können allen Kommentaren zu diesem Artikel folgen unter RSS 2.0. Sie können einen Kommentar schreiben oder einen trackback setzen zu diesem Artikel

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