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Riester: Kritische Investitionen nur teilweise ausgeschlossen / Verbraucherzentrale Bremen untersucht Riester-Produkte auf ethisch-ökologische Anlagekriterien





Nur bei einem Riester-Versicherungsprodukt werden
Investitionen in umstrittene Geschäfte wie Atom, Kohle und
Pornographie konsequent gemieden

– Bei Fondssparplänen bietet lediglich ein Anbieter
ethisch-ökologische Fonds an
– 15 der 24 untersuchten Lebensversicherer investieren die
Kundenbeiträge nicht in Hersteller geächteter Waffen

Die Verbraucherzentrale Bremen hat gemeinsam mit der Stiftung
Warentest untersucht, ob Riester-Produkte ethisch und ökologisch
umstrittene Geschäfte bei ihren Investitionen ausschließen. Die
Untersuchung umfasst die Segmente Fondssparpläne, Fondspolicen sowie
Rentenversicherungen und basiert auf einer Anbieterbefragung sowie
der Auswertung von Veröffentlichungen der Anbieter.

Ulrike Brendel, Leiterin des Projekts „Gut fürs Geld, gut fürs
Klima“ bei der Verbraucherzentrale Bremen, erklärt zum
Untersuchungsergebnis: „Leider ist die Auswahl an nachhaltigen
Riester-Produkten sehr eingeschränkt. Einige Anbieter schließen
immerhin Investitionen in international geächtete Waffen aus. Dies
ist jedoch nur ein erster Schritt und sollte längst für alle Anbieter
eine Selbstverständlichkeit sein. Hier gibt es dringenden
Nachholbedarf.“

Klassische und neue Rentenversicherungen

Bei der klassischen Riester-Rentenversicherung wird inzwischen
eine weitere Variante angeboten: Die sogenannten „neuen
Rentenversicherungs-Produkte“. Sie bieten im Gegensatz zu klassischen
Produkten keinen Garantiezins. Es bleibt daher ungewiss, wie hoch die
Rente ausfallen wird.

Bei klassischen und neuen Riester-Rentenversicherungen fließen die
Kundenbeiträge in die Kapitalanlage der Versicherer. Untersucht wurde
daher, welche ethisch-ökologischen Anlagekriterien für diese
Kapitalanlage definiert wurden:

– 15 der 24 untersuchten Lebensversicherer berücksichtigen bei
ihrer Kapitalanlage mindestens den Ausschluss von Herstellern
geächteter Waffen.
– Sechs von ihnen meiden zudem Investitionen, die mit Kinderarbeit
in Zusammenhang stehen. Fünf stecken kein Geld in Unternehmen,
die Menschenrechte verletzen.
– Nur drei Anbieter (Allianz, Axa und Concordia Oeco/Futur)
begrenzen Investitionen in die klimaschädliche Kohle.

Die „Förderrente Futur“ der Produktlinie „Leben Oeco“ der
Concordia Oeco, ein neues Riester-Versicherungsprodukt,
berücksichtigt deutlich mehr Ausschlusskriterien als andere Produkte.
Hier sind auch Investitionen in Atomkraft, fossile Brennstoffe,
Glückspiel und Pornographie tabu.

Fondsgebundene Riester-Versicherungen

Bei Riester-Fondspolicen fließt der Löwenanteil der Beiträge in
die Kapitalanlage bzw. in Garantiefonds des Versicherers. Der Rest
wird in Fonds angelegt, die vom Kunden ausgewählt werden können. Drei
Anbieter (Condor, Stuttgarter und Volkswohlbund) haben
ethisch-ökologische Kriterien für ihre Kapitalanlage definiert und
bieten zudem Nachhaltigkeitsfonds zur Auswahl an.

Fondssparpläne

Bei den Fondssparplänen fließen die Beiträge ausschließlich in
Investmentfonds. Nur der Deka Zukunftsplan Select bietet zur Auswahl
ethisch-ökologische Fonds an.

Mehr Transparenz notwendig

Konkrete Informationen zu den Nachhaltigkeitsstandards der
Riester-Produkte sind oftmals nur schwer zu bekommen. „Viele Anbieter
lassen sich in Sachen Nachhaltigkeit nicht in die Karten schauen“,
sagt Brendel. „So gaben Anbieter wie die Alte Leipziger, Hanse
Merkur, Provinzial Nordwest und Signal Iduna uns keine detaillierten
Auskünfte hierzu.“

Die Verbraucherzentrale empfiehlt nachhaltig orientierten
Anlegerinnen und Anlegern, sich zunächst für eine
Riester-Produkt-Variante zu entscheiden, die in punkto Risiko,
Rendite und Flexibilität zu den persönlichen Bedürfnissen passt. Dann
kann im jeweiligen Produktsegment nach einer Alternative mit
Nachhaltigkeitsstandards geschaut werden.

„Um bei der Geldanlage in Richtung Nachhaltigkeit umzusteuern,
sollten für staatlich geförderte Altersvorsorgeprodukte
ethisch-ökologische Mindeststandards eingeführt werden, die bestimmte
Branchen oder Geschäftspraktiken generell ausschließen. Der
Gesetzgeber könnte durch Berücksichtigung von
Nachhaltigkeitskriterien für staatlich geförderte Finanzprodukte den
Markt positiv beeinflussen und seine eigenen Klimaschutzziele
unterstützen. Der aktuelle Marktanteil der nachhaltigen Geldanlagen
würde dadurch signifikant ausgeweitet werden“, ergänzt Annabel
Oelmann, Vorstand der Verbraucherzentrale Bremen.

Weitere Informationen:

Ergebnisse der Untersuchung von Riester-Produkten:
www.verbraucherzentrale-bremen.de/riesteruntersuchung

Positionspapier „Nachhaltigkeitskriterien bei staatlich
geförderten Finanzprodukten“:
www.verbraucherzentrale-bremen.de/media244868A.pdf

Pressekontakt:
Ulrike Brendel, Leiterin des Projekts „Gut fürs Geld, gut fürs Klima“
Tel. (0421) 160 77-42, brendel@vz-hb.de

Original-Content von: Verbraucherzentrale Bremen, übermittelt durch news aktuell

Kurz-URL: https://www.88news.de/?p=1531145

Erstellt von an 19 Sep 2017. geschrieben in Geld. Sie können allen Kommentaren zu diesem Artikel folgen unter RSS 2.0. Sie können einen Kommentar schreiben oder einen trackback setzen zu diesem Artikel

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