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Schwäbische Zeitung: Leitartikel zum VW-Skandal: Bitter für das ganze Land





Atemberaubend ist es, wie schnell aus
Sicherheit Verunsicherung und aus Zufriedenheit düstere Vorahnung
werden kann: Eben noch meldete der Bundesfinanzminister einen
Steuereinnahmerekord nach dem anderen, und dann kommt eine Nachricht
aus Niedersachsen, die diesem Land schweren Schaden zufügt.

Die Folgen des VW-Skandals können in ihrer Tragweite kaum
überschätzt werden: Volkswagen, einer der Inbegriffe deutscher
Wertarbeit, hat betrogen. Das schädigt eben nicht nur den Autobauer
aus Niedersachsen, es betrifft all die Waren und Ideen, die in
Deutschland teuer hergestellt werden und für die ausländische Kunden
bisher einen höheren Preis zu zahlen bereit waren. VW ist kein
kleiner Delinquent, der schnell reich werden wollte, Volkswagen ist
eine Weltmarke. Und ein Skandal, der die Marke eines Landes betrifft,
braucht 20, 30 Jahre, bis er vergessen ist. In Österreich weiß man
davon zu erzählen, weil einige Winzer in den 1980er-Jahren dem Wein
Frostschutzmittel beifügten.

Kauft deutsche Waren, weil sie gut und innovativ sind, warben
Wirtschaftsminister landauf, landab. Gerade in der Umwelttechnologie
und bei alternativen Energiesystemen hat Deutschland gepunktet. Aber
wer kann sich künftig noch über chinesische Fälschungen empören, wenn
das Symbol deutscher Wertarbeit munter drauf los manipuliert hat?

Wir Kunden waren leichtgläubig: Früher galt Diesel als schmutzig,
seit einigen Jahren aber als sauber und sparsam. Die Politiker in den
VW-Kontrollgremien dürften auf die Verlässlichkeit deutscher
Ingenieurskunst gesetzt haben. Wenn nun Amerikaner und Chinesen
weniger Volkswagen kaufen, ist das bitter. Wenn aber deutsche Käufer
den Glauben an die eigenen Marken verlieren, wird das den Markt
verändern. Das würde Tausende Arbeitsplätze kosten, gerade in der im
Südwesten ansässigen Automobilzulieferindustrie. Die eben noch
strahlenden Deutschen stehen da wie übertölpelt, nicht von
ausländischen Mächten, sondern von der kriminellen Kreativität der
eigenen Autobauer.

Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 0751/2955 1500
redaktion@schwaebische-zeitung.de

Kurz-URL: http://www.88news.de/?p=1265855

Erstellt von an 22 Sep 2015. geschrieben in Allgemein. Sie können allen Kommentaren zu diesem Artikel folgen unter RSS 2.0. Sie können einen Kommentar schreiben oder einen trackback setzen zu diesem Artikel

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