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Weinkonsum ohneÖko-Reue: Winzer produzieren nachhaltig





Neuer Handlungsleitfaden und Umweltrechner hilft
Weinbauern – DBU fördert FH Bingen mit 124000 Euro

Nach einer frühen Blüte steht für den Weinjahrgang 2017 die
Hauptweinlese frühreifer Sorten unmittelbar vor dem Start. Trauben
für den ersten Federweißen werden schon Mitte bis Ende August gelesen
werden können. Viele der 20.300 Winzerbetriebe in Deutschland wollen
ihre Betriebe zwar verstärkt nachhaltig bewirtschaften. Doch es
fehlen konkrete und anwendbare Standards, um betriebliche
Umweltwirkungen und -leistungen zu erfassen und zu bewerten. Ein
neuer Handlungsleitfaden, der den Weinbauern beim Erstellen eines
Nachhaltigkeitsberichtes hilft, soll hier Abhilfe schaffen. Und ein
„Umweltrechner“ ermöglicht es den Winzern, eine betriebliche
Datenerfassung der Energie- und Materialaufwendungen vorzunehmen.
Entwickelt und umgesetzt wurden Leitfaden und Rechner von der
Technischen Hochschule Bingen und 16 deutschen Weingütern und
fachlich wie finanziell mit knapp 124.000 Euro unterstützt von der
Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU).

Kaum detaillierte Angaben zum Energie- und Wasserbedarf

Ziel des Vorhabens war es, konkrete Umweltentlastungspotenziale in
Weinbaubetrieben zu ermitteln, Kriterien zu entwickeln, ihre
Nachhaltigkeitsaspekte zu erfassen und zu bewerten und damit die
Aktivitäten der Unternehmen in Richtung einer nachhaltigen
Unternehmensführung zu unterstützen, erläuterte stellvertretender
DBU-Generalsekretär Prof. Dr. Werner Wahmhoff. Viele Betriebe
verfügten nämlich kaum über detaillierte Angaben etwa zum Energie-
und Wasserbedarf für ihre Produktion, da es an entsprechend
differenzierten Messvorrichtungen vorrangig in der Kellerwirtschaft
fehle. Sie hätten hierfür zumeist nur eine Messstelle, die
gleichzeitig auch den Bedarf für andere Zwecke (z. B. Wohnung,
Garten, Gästezimmer) erfasse. Und DBU-Expertin Verena Exner ergänzt:
„Das erschwert eine genaue Beurteilung des Verbrauchs in den
einzelnen Produktionsphasen.“ Anhand der erarbeiteten Aspekte und
Indikatoren sowie durch den Aufbau eines Nachhaltigkeitsnetzwerkes
sollten die Betriebe in die Lage versetzt werden, ihre
Nachhaltigkeitsaktivitäten für die Außendarstellung und zur
Kundenkommunikation zu nutzen.

Für Handlungsleifaden zusätzliche weinbauspezifische Aspekte und
Indikatoren berücksichtigt

Gezeigt habe sich, dass es in der heterogenen Branche des Weinbaus
notwendig sei, betriebsspezifische Bedingungen festzulegen, die eine
weitere Differenzierung der betrieblichen Umweltleistungen
ermöglichten. Daher seien für den Handlungsleifaden zusätzliche
weinbauspezifische Angaben – wie Betriebsgröße, die Kunden- und
Vertriebsstruktur, die Bewirtschaftungs- und Produktionsweisen sowie
die Besonderheiten des Weinanbaugebietes – berücksichtigt worden, die
eine Differenzierung und eine vergleichende Darstellung weinbaulicher
Organisations- und Betriebsprofile erlaubten. Auf Grundlage der
durchgeführten Analyse konnten darüber hinaus weitere sieben
branchenspezifische Aspekte mit 25 Indikatoren durch die beteiligten
Interessengruppen identifiziert und definiert werden. Dazu zählen in
der wirtschaftlichen Kategorie die „Effizienz- und Risikoanalyse“,
die „Qualitätskontrolle“ sowie in der ökologischen Kategorie die
Ressource „Boden“. In der gesellschaftlichen Kategorie wurden weitere
als wesentlich erachtete Aspekte verzeichnet. Sie umfassen die
„Betriebsorganisation“, das „Gesellschaftliche Engagement“ und die
„Inner- und Überbetriebliche Kommunikation“. Sie decken Aspekte und
Indikatoren ab, die aus Sicht der relevanten Personengruppen in
herkömmlichen Leitlinien als nicht ausreichend behandelt werden.

Nachhaltigkeitsnetzwerk Weinbau aufgebaut

„In dem Projekt erfolgte eine Analyse der wesentlichen
Auswirkungen entlang aller Lebenszyklusphasen der Weinproduktion auf
Grundlage international anerkannter Leitlinien. Dabei fand die
gesamte Produktionskette vom Herrichten der Weinbergfläche über die
Kellerwirtschaft bis hin zum Vertrieb Beachtung“, erläutert Desiree
Palm¬es von der Technischen Hochschule Bingen. Vorhandene Ansätze,
Nachhaltigkeitsaspekte in Kleinunternehmen und in der Landwirtschaft
zu erfassen und zu bewerten, seien berücksichtigt worden. Ermittelt
worden seien positive Beispiele betrieblicher Aktivitäten mit
potenziellem Nachahmungseffekt. Ein Nachhaltigkeitsnetzwerk Weinbau
sei aufgebaut worden und binde verschiedene Verbände und
Institutionen ein. Der Wilhelmshof in Siebeldingen habe im Rahmen des
Projektes einen Nachhaltigkeitsbericht erarbeitet, der am ersten
Septemberwochenende im Rahmen einer Jahrgangspräsentation der
Öffentlichkeit vorgestellt wird.

Reihe von „Einsteigern“ für nachhaltiges Wirtschaften
sensibilisiert

Über die Projekthomepage http://ots.de/xRySQ hätten Winzer nun die
Möglichkeit, sich über Aktivtäten des nachhaltigen Wirtschaftens zu
informieren. Durch Fachveranstaltungen sei den Weingütern der Prozess
der Nachhaltigkeitsberichterstattung veranschaulicht worden. So seien
Weingüter auf dem Weg zu ihrem eigenen Nachhaltigkeitsbericht
begleitet, aber auch eine Reihe von „Einsteigern“ für das Thema des
nachhaltigen Wirtschaftens sensibilisiert worden.

Erstmals ganzheitliches ökologisches Erfassen aller
Betriebsprozesse

Wahmhoff: „Die Projektergebnisse erlauben es nun erstmals kleinen
und mittelständischen Winzerbetrieben, eine ganzheitliche ökologische
Erfassung und Bewertung aller Betriebsprozesse durch den
““Umweltrechner““ vom Einkauf über Anbau bis zur Produktion und
Vermarktung vorzunehmen. Das Vorhaben zeichnet sich darüber hinaus
dadurch aus, dass auch erste Lehrmodule an den Weincampus Neustadt
und die Weinbauschule in Bad Kreuznach weitergereicht wurden, die
eine fachlich aktualisierte Grundlage für die Lehre im Weinbau
darstellt.“

Hinweis an die Redaktionen: Folgende weitere Partner waren an dem
Projekt beteiligt:

– Weingut Grünewald und Schnell, Worms
– Weingut Brühler Hof, Volxheim
– Weingut Klostermühlenhof, Hahnheim
– Weingut Volk, Spay
– Kloster Eberbach, Hess. Staatsweingüter, Eltville
– Prinz zu Salm-Dalberg““sches Weingut, Wallhausen
– Weingut Georg Forster, Rümmelsheim
– Wein- und Sektgut Wilhelmshof, Siebeldingen
– Weingut Helmut Christ, Nordheim am Main
– Weingut Wilhelm Zähringer, Heitersheim
– Weingut Vincent Richter, Meißen
– Weingut Raddeck, Nierstein
– Weingut Eisenbach-Korn, Oberheimbach
– Landesweingut Kloster Pforta, Bad Kösen
– Rheinhessenwein e. V., Alzey
– Hochschule Geisenheim
– Weincampus Neustadt a. d. Weinstr.
– Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum
Rheinhessen-Nahe-Hunsrück, Bad Kreuznach u. Oppenheim
– Das Deutsche Weinmagazin, Mainz
– Edmund Spindler, BiTS-Dozent, Hamm/Westf.

Pressekontakt:
Ansprechpartner
Franz-Georg Elpers
– Pressesprecher –

Kontakt DBU
An der Bornau 2
49090 Osnabrück
Telefon: 0541|9633-521
0171|3812888
Telefax: 0541|9633-198
presse@dbu.de
www.dbu.de

Kontakt TH Bingen:
Berlinstr. 109
55411 Bingen
Telefon: 06721/409810
Desiree Palmes
d.palmes@th-bingen.de

Original-Content von: Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), übermittelt durch news aktuell

Kurz-URL: http://www.88news.de/?p=1523155

Erstellt von an 24 Aug 2017. geschrieben in Essen/Trinken. Sie können allen Kommentaren zu diesem Artikel folgen unter RSS 2.0. Sie können einen Kommentar schreiben oder einen trackback setzen zu diesem Artikel

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