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Westdeutsche Zeitung: Warum ist uns unser Essen so wenig wert?





Von Rolf Eckers

Gammelfleisch, Rinderwahnsinn, Vogelgrippe, Dioxin – an
Lebensmittel-Skandalen mangelt es nicht. Jetzt also giftbelastete
Eier. Politiker versprechen lückenlose Aufklärung und die
Verschärfung der Kontrollen. Bis das Thema in wenigen Wochen wieder
in der Versenkung verschwunden ist. Zur Wahrheit gehört: Wir leben in
einem Land, das mit hochwertigen Lebensmitteln bestens versorgt ist.
Skandale sind die Ausnahme, nicht die Regel. Wahr ist aber auch: Um
die Lebensmittel herzustellen, gehen die Produzenten – ganz legal –
mit den Tieren und der Umwelt sehr fragwürdig um. Beispiel
konventionelle Schweinehaltung: kaum Tageslicht, Betonspaltböden,
0,75 Quadratmeter Platz pro Tier. Blutig gebissene Schwänze,
verkratzte Körper, vom Ammoniak entzündete Augen. Das gehört zum
Alltag der Schweinehaltung in Deutschland, artgerecht geht anders.
Aber das möchte niemand sehen oder hören. Entscheidend ist am Ende
immer der Preis, den wir Verbraucher zu zahlen bereit sind. Und da
gilt: besser billig. Steaks für neun Euro im Kilo, Milch für 60 Cent
pro Liter, Orangen aus Südafrika für 1,50 je Kilo, zehn Eier für
einen Euro. Weil wir Konsumenten da gerne zugreifen, diktieren wir
die Bedingungen der Produktion. Die ökologische Landwirtschaft kommt
dagegen nicht an. Trotz stetiger Zuwächse erreichen Bio-Produkte am
Lebensmittel-Umsatz in Deutschland nur einen Anteil von fünf Prozent.
Beim Fleisch liegt der Anteil deutlich unter zwei Prozent. Richtig:
Kriminelle Machenschaften gibt es auch in der Öko-Branche. Aber die
Chance auf eine art- und umweltgerechte Erzeugung der Lebensmittel
ist größer. An dieser Stelle kommt immer der Einwand, Bio-Produkte
seien zu teuer. Wer darauf hinweist, sei daran erinnert, dass die
Bundesbürger im Durchschnitt nur zehn Prozent des Einkommens fürs
Essen ausgeben. Vor 50 Jahren waren es noch 40 Prozent. Hinzu kommt,
dass Lebensmittel in kaum einem anderen Land Europas so günstig sind
wie hierzulande. Als Urlauber jenseits der Grenze erleben das viele
Bundesbürger in diesen Tagen wieder. Der Hauptgrund für die niedrigen
Preise ist, dass das Aldi-Prinzip in Deutschland erfunden und bis zur
Perfektion entwickelt wurde. Mehrere Discounter liefern sich einen
brutalen Wettbewerb, der die Preise niedrig hält. Wer Tiere und
Umwelt schonen will, hat es beim Einkaufen in der Hand. Billig muss
nicht immer boomen.

Pressekontakt:
Westdeutsche Zeitung
Nachrichtenredaktion
Telefon: 0211/ 8382-2370
redaktion.nachrichten@wz.de
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Erstellt von an 4 Aug 2017. geschrieben in Allgemein. Sie können allen Kommentaren zu diesem Artikel folgen unter RSS 2.0. Sie können einen Kommentar schreiben oder einen trackback setzen zu diesem Artikel

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