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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Diesel-Gipfel





Das Ergebnis nach dem Diesel-Gipfel sieht auf
den ersten Blick ganz wunderbar aus. So, als ob die Teilnehmer
gezaubert hätten: Fünf Millionen Diesel-Fahrzeuge bekommen eine neue
Software. Für die Halter entstehen keine Kosten. Das Update hat
keinen Einfluss auf Motorleistung, Verbrauch oder Lebensdauer. Und
das Beste ist: Die Stickoxid-Belastung soll damit um 25 bis 30
Prozent reduziert werden, so dass Diesel-Besitzer keine Fahrverbote
fürchten müssen. Welch ein großartiges Ergebnis, möchte man meinen.

Doch Vorsicht! Zweifel sind mehr als angebracht. Und Fragen gibt
es ohne Ende, aber leider noch keine Antworten: Warum zum Beispiel
soll jetzt eine neue Software plötzlich Abhilfe schaffen, wenn die
vorherigen Maßnahmen schon nicht funktioniert haben? Warum haben die
Autokonzerne nicht bereits viel früher eine Technik eingesetzt, die
dafür sorgt, dass Grenzwerte in den Städten auch tatsächlich
eingehalten werden? Wird der Schummel-Software jetzt eine weitere
hinzugefügt? Wer kann das eigentlich neutral kontrollieren? Und wann
steht die Software zur Verfügung? Was passiert bis dahin –
Fahrverbote oder einfach weiter so?

Skeptisch muss man auch deshalb sein, weil die Umrüstung nicht für
Diesel mit der Euronorm 3 und 4, sondern nur für neuere Fahrzeuge
gilt. Halter von älteren Diesel-Wagen schauen in die Röhre.
Mindestens sie gehören zu den großen Verlierern dieses Gipfels.
Betroffen davon sind mehr als sechs Millionen Halter, die aktuell
Dieselautos fahren. Wer also einen Diesel besitzt, der Baujahr 2009
oder älteren Modells ist, hat ein Problem.

Dass der ADAC und Umweltschutzverbände bereits »auf dem Zaun« sind
und Juristen die Dollarzeichen im Auge haben, ist nachvollziehbar.
Auch wenn viele Experten schon jetzt prognostizieren, dass die
Autokonzerne ihre Zusagen niemals einhalten werden können, bedarf es
eines Beweises, ob die Software tatsächlich hält, was sie verspricht.
Das Problem ist, dass das Vertrauen der Verbraucher in die
Automobilindustrie zuletzt derart gelitten hat. Viele Kunden wollen
langsam nicht mehr glauben, was Daimler, BMW und VW ihnen so alles
versprechen. Hinzu kommt, dass die Konzerne wie so oft mit einem
»blauen Auge« davonkommen, während der einzelne Verbraucher am Ende
rat- und hilflos alleine dasteht und möglicherweise die Zeche ganz
alleine zahlen muss.

Es bleibt dabei: Nicht nur die Autohersteller, sondern auch die
Politiker geben ein sehr fragwürdiges Bild in diesem Skandal ab. Wenn
die Spitzenpolitiker wachsweich von einer »neuen Verantwortungskultur
der Autokonzerne« sprechen, spätestens dann wird deutlich, wie sehr
dieser Gipfel zum Himmel stinkt.

Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 – 585261

Original-Content von: Westfalen-Blatt, übermittelt durch news aktuell

Kurz-URL: http://www.88news.de/?p=1517064

Erstellt von an 2 Aug 2017. geschrieben in Allgemein. Sie können allen Kommentaren zu diesem Artikel folgen unter RSS 2.0. Sie können einen Kommentar schreiben oder einen trackback setzen zu diesem Artikel

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