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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Terror in Spanien





Es ist dieses Wort, das besonders bei
Terroranschlägen mit so vielen Toten und Verletzten grausam ist und
niemals fallen dürfte. Und dennoch ist es so: Routine. Ja, auch
dieser Terroranschlag von Barcelona ist mittlerweile so etwas wie
bittere Routine.

Auch der Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitagabend
in Herford zeugt davon. Fassungslosigkeit ausdrücken, Beileid
aussprechen und gleichzeitig Mut machen und Entschlossenheit zeigen,
um dann zur Tagesordnung in den Wahlkampfmodus umzuschalten. Aus
Respekt vor den Hinterbliebenen, für die das Geschehen auf der
Flaniermeile Las Ramblas eben keine Routine ist, wird auf den
Wahlkampfbühnen auf Musik und Show verzichtet. Sachliche Politik
steht im Vordergrund – richtig. Merkel kennt das Prozedere, und ihr
Publikum kennt es mittlerweile auch. Inhaltlich wirklich Neues im
Zusammenhang mit dieser grausamen Tat kann nämlich nicht vermittelt
werden, weil es nicht viel Neues gibt. Da spielt es auch keine Rolle,
dass es sich beim Anschlag von Spanien offenbar nicht um einen
Einzeltäter, sondern um ein organisiertes Terrornetzwerk innerhalb
des »Islamischen Staates« handelt, das so brutal zugeschlagen hat.

Alles bekannt. Sätze wie »Wir dürfen uns vom Terrorismus nicht
unterkriegen lassen«, »Wir müssen mehr für die Sicherheit tun« oder
auch die ewige Forderung nach der lückenlosen Aufklärung der Tat
haben wir gefühlt hundert Mal gehört oder gelesen. Parallel dazu der
immer gleiche Ablauf: Auf Trauer, Fassungslosigkeit und Wut folgen
Ermittlungen, Festnahmen, Ursachensuche, Konsequenzen, Racheakte. Bis
zum nächsten Mal, wenn vielleicht wieder ein Lastwagen in eine
Menschenmenge rast oder gar ein Giftgasanschlag passiert. So ist das
Leben. So ist der Kampf gegen den »IS«. So ist die Welt im Jahr 2017.

Das Thema Sicherheit wird nicht unwichtiger fünf Wochen vor der
Bundestagswahl. Wenn nicht noch ein politisches Erdbeben passiert,
kann Angela Merkel mit einem Sieg rechnen – und dann zwischen FDP und
Grünen als Koalitionspartner wählen, falls es rechnerisch reicht.
Wenn nicht, kommt es vermutlich eher zu einer Großen Koalition statt
zu einem Dreierbündnis aus Union, FDP und Grünen.

SPD-Kandidat Martin Schulz jedenfalls wird nicht Kanzler. Nicht
nur, weil er zum Thema Sicherheit gefühlt wenig anzubieten hat. Das
Scheitern der SPD-geführten Landesregierung in Niedersachsen und
aktuell der Schmusekurs Gerhard Schröders mit dem höchst umstrittenen
russischem Ölkonzern Rosneft ziehen Schulz und seine Partei weiter
runter. Rutscht die SPD gar auf unter 20 Prozent, wird er vermutlich
nicht mal Vorsitzender bleiben können. Aber so weit ist es noch
nicht.

Zunächst ist Wahlkampf. Angela Merkel hat in Herford ihr Programm
runtergespult – ohne zu begeistern, ohne zu enttäuschen. Routine eben
in Zeiten des Wahlkampfes und des Terrors.

Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 – 585261

Original-Content von: Westfalen-Blatt, übermittelt durch news aktuell

Kurz-URL: http://www.88news.de/?p=1521870

Erstellt von an 18 Aug 2017. geschrieben in Allgemein. Sie können allen Kommentaren zu diesem Artikel folgen unter RSS 2.0. Sie können einen Kommentar schreiben oder einen trackback setzen zu diesem Artikel

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