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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur Provokationen der AfD





Schusswaffengebrauch gegen Flüchtlinge an der
Grenze, farbige Nationalspieler als angeblich unerwünschte Nachbarn
und jetzt das »Denkmal der Schande«: Die AfD vergiftet regelmäßig das
politische Klima in Deutschland. Beatrix von Storch, Alexander
Gauland oder Björn Höcke bringen mit gezielt eingesetzten
Provokationen die Partei ins Gespräch, brechen Tabus, fischen am
rechten Rand. Sie reden absichtlich zweideutig: Meinte Höcke mit
»Denkmal der Schande«, dass es überflüssig ist und weg muss oder dass
das Holocaust-Mahnmal in Berlin die Schande des Völkermords an den
Juden im Dritten Reich dokumentiert? Wenn er in derselben Rede von
einer »dämlichen Bewältigungspolitik« spricht, spielt er jedenfalls
mit dem latenten Antisemitismus.

Wird er dafür kritisiert, streitet Höcke alles ab. Er sei ja von
Politikern der anderen Parteien und der »Lügenpresse« absichtlich
missverstanden worden, behauptet er – ganz so, wie es Gauland tut,
wenn seine Äußerungen gerügt werden. Hinter dem Wahnsinn steckt
Methode, denn in Wirklichkeit will die AfD die Verantwortlichen aus
Politik, Wirtschaft und Medien als korrupt, unehrlich und volksfern
diskreditieren und sich selbst als Opfer stilisieren.

Also Klartext: Höckes Rede vor der Jugendorganisation der AfD war
unerträglich, seine Strategie ist durchschaubar, von einem seriösen
Politiker ist er so weit entfernt wie die Erde vom Mars.
Rechtspopulisten behaupten, sie allein würden das aussprechen, was
die Deutschen denken. Wirklich? Ich frage Sie, liebe Leserinnen und
Leser: Fühlen Sie sich als Mitglied »eines brutal besiegten Volkes«?
Und wollen Sie wie Höcke eine »erinnerungspolitische Wende um 180
Grad«?

Die Art und Weise, wie die Deutschen mit den unfassbaren
Verbrechen der NS-Zeit umgegangen sind, müssen wir uns nicht
schlechtreden lassen. Der britische Historiker Neil MacGregor,
langjähriger Leiter des Britischen Museums in London und jetzt
Intendant des Berliner Humboldtforums, nennt die deutsche
Aufarbeitung der Vergangenheit vorbildlich. Kein anderes Land habe
sich so ernsthaft mit dem von ihm selbst angerichteten Grauen
auseinandergesetzt und sich freiwillig mit dem Holocaust-Mahnmal eine
schmerzende Wunde in die Hauptstadt gesetzt.

Dass Höcke innerhalb der AfD heftig kritisiert wird, ist Ausdruck
des Machtkampfes an der Spitze und zeugt von der Angst, im
Superwahljahr die Nationalkonservativen zu verprellen, die zwischen
CDU und AfD schwanken. Nicht wenige neigen zur AfD, weil die in
manchen Punkten recht hat. Merkels leichtfertig-riskante
Flüchtlingspolitik, die Vetternwirtschaft und Gleichmacherei in
Brüssel, die Selbstbedienungsmentalität von Managern und die
wachsende soziale Ungleichheit sind kritikwürdig. Mit unsäglichen
Provokationen erweist Höcke der Partei gleichzeitig einen
Bärendienst.

Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 – 585261

Original-Content von: Westfalen-Blatt, übermittelt durch news aktuell

Kurz-URL: http://www.88news.de/?p=1446506

Erstellt von an 19 Jan 2017. geschrieben in Allgemein. Sie können allen Kommentaren zu diesem Artikel folgen unter RSS 2.0. Sie können einen Kommentar schreiben oder einen trackback setzen zu diesem Artikel

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