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Diamonds & Rust @ 30works






 

Diamonds & Rust

30works und der Urban-Art Künstler Van Ray lassen 2016 fulminant ausklingen…

Können Bilder eloquent sein? Kann Sprache die Wahrnehmung von Bildinhalten beeinflussen, ja sogar manipulieren?
Im Falle von Van Ray ist die Antwort so eindeutig wie verblüffend: Denn der Urban Art-Künstler ist unübertroffen darin, figürliche Motive mit diametral entgegengesetzten Claims und Parolen anzureichern – und damit ihre bisherige Konnotation effektvoll zu brechen. Indem er seine Motive um Supermodels, Pin-ups und Comic-Helden durch Sprache konterkariert und in gänzlich andere Kontexte einbettet, versieht er sie mit neuen Bedeutungen und entwirft neue Geschichten. Was den Rheinländer vom Mind-Basher zum versierten Storyteller reifen lässt.

Seit frühester Jugend von der Pochoir-Bewegung und der sich daraus entwickelnden Street Art fasziniert, machte Van Ray zunächst Furore als Sprayer. Seine Tags und Stencils betörten mit handwerklicher Akkuratesse, Detailreichtum und hintergründiger Kritik an sozialen Missständen und dem so genannten „Zeitgeist“ – blieben dabei aber stets humorvoll und charmant. Gerade diese Aspekte machten seine Arbeiten einzigartig – und begründeten einmal mehr seinen Erfolg als einen der aktuell wichtigsten Vertreter deutscher Urban Art.

Einheit des Diversen

Doch nicht nur Sprache und figurative Komponenten definieren das Storytelling von Van Rays Bildwelten; so fungiert die Materialität als gleichsam dritter Protagonist in einem ausgeklügelten Spiel aus konterkarierenden Elementen, die zu einer ästhetischen Einheit des Diversen verschmelzen. Ob grobe Rostoberflächen, die er mittels einer speziellen Technik komponiert, wobei der Stahl künstlich korrodiert, mit Flüssigmetall angedickt und so wieder Schicht um Schicht verätzt wird, oder hochverspiegeltes Acrylglas: Kein Material scheint physisch oder kontextuell abwegig genug, um seine anschließend gesprayten Figuren zu bannen und ihre vordergründige Makellosigkeit damit wirkungsvoll in Frage zu stellen. Zumal Van Ray hier auch die Hierarchie von Trägerfläche und Bildinhalt hinterfragt. Ist das hyperreflektierende, ultraglatte Plexiglas Hintergrund oder nicht vielmehr Teil der Motivwelt? Markiert der Rost den Bilduntergrund, oder mit seiner dominanten Struktur, der starken Haptik und der implizierten Dreidimensionalität nicht doch einen entscheidenden Teil des Inhalts? Und während der Betrachter sich noch fragt, wie Rost und Plexi sich überhaupt mit Spraylack vertragen und nachhaltig zusammengehen, ist Van Ray längst zum Spiritus Rector eines Schaffensprozesses avanciert, der neben kreativem Genius und Kontemplation auch physikalische und chemische Expertise erfordert. Und zudem einen erheblichen Kraftaufwand bedeutet; schließlich wiegt die Bearbeitung und Handhabung von Stahl ungleich mehr als jene von Leinwand und Papier.

Supermodels mit Botschaft

Auch mit Formen experimentiert der 32-Jährige. Seine BANG-Busters aus sternförmig ausgeschnittenem Rost-Stahl brechen selbstbewusst mit der Formensprache gängiger Art Works; und selbst klassische Quaderformate versieht der Düsseldorfer mit wie zufällig ausgeschnittenen Plexi-Elementen, die als nahezu eigenständiges Werk im Werk wiederum die Hierarchie von Untergrund, Inhalt und Form hinterfragen und umdeuten.
Das alles gipfelt in einem Bildkosmos, wo eine in Plexi gehüllte, von Rost, Drippings und Typo-Fragmenten flankierte Kate Moss uns mit dem Slogan „Be your own personal revolution“ herausfordert. In dessen Plexi-Fläche sich der Betrachter spiegelt und somit Teil des Kunstwerks wird. Ein defensiv vor sich hin sinnierender Slacker wird mit der Parole „Exit boring reality“ konfrontiert – und fungiert damit als Stellvertreter unserer verborgenen Sehnsüchte und geheimen Wünsche. Wobei Van Ray seine Claims und Parolen niemals zum kategorischen Imperativ erhebt, sondern uns vielmehr pointiert und empathisch zu mehr Wagemut, freiem Denken und Zivilcourage zu ermuntern scheint. Und womit letzten Endes wir für den Ausgang der von ihm aufgeworfenen Geschichte verantwortlich sind…

Die Laudatio am Abend der Vernissage wird die Kunst- und Kulturjournalistin Yorca Schmdit-Junker halten.

Diamonds & Rust @ 30works

Vernissage: Freitag 02.12.2016, 19 Uhr
Laudatio: Yorca Schmidt-Junker.

Ausstellung: vom 02.12.2016 bis 30.12.2016
Öffnungszeiten: Di – Fr 15-19 Uhr, Sa 11-18 Uhr

30works Galerie
Antwerpener Str. 42
50672 Köln
0221/5700250
www.30works.de

Kurz-URL: https://www.88news.de/?p=1428125

Erstellt von an 23 Nov 2016. geschrieben in Bilder, Kultur. Sie können allen Kommentaren zu diesem Artikel folgen unter RSS 2.0. Sie können einen Kommentar schreiben oder einen trackback setzen zu diesem Artikel

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