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Mittelbayerische Zeitung: „Krachend gescheitert“ / Ein Kommentar der Mittelbayerischen Zeitung zum Streit um den Challenge





Langdistanz-Triathleten gehören zu einer
speziellen Gattung Mensch: extrem fleißig, diszipliniert,
leidensfähig. Sie stellen sich nicht die Frage, ob es während des
Rennens weh tun wird. Sie fragen sich vielmehr, wann der Schmerz
kommt. Irgendwann während dieses Wettkampfs über 3,8 Kilometer
Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen
beginnt das Leiden. Nur wer den Schmerz annehmen und sich aus jedem
Tief herauskämpfen kann, wird mit dem „Finish“, also dem Erreichen
des Ziels, belohnt. Für viele ist es ein Lebenstraum. Doch viele
scheitern auch! Und das haben sie mit allen gemeinsam, die seit 2010
versucht haben, ein internationales Triathlonrennen in Regensburg
aufzubauen. Jüngstes Beispiel ist der krachend gescheiterte Challenge
Regensburg. Doch wer nun einen Alleinschuldigen für das „DNF“ („Did
not finish“) des Rennens sucht, denkt zu kurz. Am Ende waren es
schlicht zu viele Baustellen für die von Beginn an umstrittene
Veranstaltung. Die Teilnehmer waren zu Recht voll des Lobes. Aber
genervte Bürger ob der vielen Straßensperrungen in Stadt und
Landkreis sowie Kritik wegen finanzieller Zuwendungen von Seiten der
Stadt sorgten für Dauerärger. Doch die wohl größte Baustelle und
damit der Höhepunkt ist der nun öffentlich gewordene Streit zwischen
der Challenge Family, also dem Lizenzgeber aller Challenge-Rennen,
und den Machern des Regensburger Rennens. Seit Freitag sind wir Zeuge
eines Vorgangs, der so gar nicht in die heile Familienwelt, die die
Challenge Family gern zeichnet, passt. Plötzlich haben die Anwälte
das Sagen. Für den Regensburger Veranstalter Tom Tajsich ist die
Sache klar. Nachdem ihm verboten wurde, sein Rennen 2018 unter der
Challenge-Flagge auszurichten, will er es allein versuchen. Ganz
ungelegen dürfte ihm der Lizenzentzug nicht kommen, schließlich hatte
der Mann von Spitzentriathletin Sonja Tajsich sich zuletzt –
ebenfalls öffentlich – über die hohen Lizenzgebühren der Challenge
Family beschwert. Nun gibt er sich im Stile eines Triathleten
kämpferisch: „Klar ist, dass wir das Rennen 2018 auf jeden Fall
durchziehen werden, so oder so.“ Doch da Tajsich mit dem Rennen Geld
verdienen will, ist die Sache kompliziert. Denn der Markt ist völlig
überhitzt. Es gibt zwei große Player. Die klare Nummer 1 ist der
Ausrichter Ironman. Er hat den besten Namen, die längste Tradition
und die Keimzelle aller Langdistanz-Rennen, den Ironman auf Hawaii.
Ironman ist die Champions League des Triathlonsports. Und damit das
auch so bleibt, wird seit der Übernahme durch einen chinesischen
Investor ein extrem aggressiver Expansionskurs gefahren.
Ironman-Rennen schießen wie Pilze aus dem Boden. 85
Langdistanz-Rennen gibt es mittlerweile weltweit. Viel zu viele für
eine Extremsportart mit einer überschaubaren Anzahl an Aktiven. Die
Nummer 2 weltweit ist die Challenge Family mit Sitz in der Oberpfalz.
Von Amberg aus leitet CEO Zibi Szlufzik die Rennserie. Wer hier
bucht, bekommt nur Bundesliga-Niveau, zahlt dafür aber rund 100 Euro
weniger als für die Königsklasse. Der Rest sind kleine, meist sehr
charmant organisierte Rennen – ohne großes Label, abseits der großen
Städte, aber zu viel günstigeren Preisen. Zum Vergleich: Während ein
Startplatz für den Ironman Hamburg 2018 ab 556,20 Euro zu haben war,
zahlte man als Frühbucher beim 12. Wasserstadt Triathlon
Hannover-Limmer 124 Euro. Tausende Teilnehmer und internationale
Spitzenathleten sucht man bei diesen No-Name-Rennen jedoch ebenso
vergebens wie große wirtschaftliche Gewinne. Und in dieser Nische
will Tom Tajsich nun in Regensburg mit seinem „Empire Race“
mitmischen. Ein gewagtes Projekt! Denn ohne großes Label wird die mit
350 Startern bisher schon maue Teilnehmerzahl auf der Langdistanz
nicht nach oben schießen. Und auch die Förderung der Stadt muss
angesichts des nun entstehenden Breitensportcharakters der
Veranstaltung überdacht werden. Denn das neue Rennen wird eher in der
Regionalliga spielen, vergleichbar mit dem Regensburger Triathlon
oder dem Marathon. Hier melden sich überwiegend Athleten an, die
nicht das große Event, sondern eine vernünftige Veranstaltung zu
einem vernünftigen Preis suchen. Sie erwarten keinen Zieleinlauf am
Dom, ihnen reicht der Dultplatz. Daher wäre eine Zusammenarbeit mit
Tristar oder LLC Marathon, einem der beiden etablierten Veranstalter,
die beste Lösung. Denn es hat sich gezeigt: Egal ob Ironman oder
Challenge, der Weg, einen Triathlon dieser Klasse in Regensburg
aufzubauen, ist mit zu vielen Schmerzen verbunden.

Pressekontakt:
Mittelbayerische Zeitung
Redaktion
Telefon: +49 941 / 207 6023
nachrichten@mittelbayerische.de

Original-Content von: Mittelbayerische Zeitung, übermittelt durch news aktuell

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Erstellt von an 13 Nov 2017. geschrieben in Allgemein. Sie können allen Kommentaren zu diesem Artikel folgen unter RSS 2.0. Sie können einen Kommentar schreiben oder einen trackback setzen zu diesem Artikel

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