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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Debatte über flexiblere Arbeitszeiten Menschliches Maß Wolfgang Mulke, Berlin





Die Arbeit ist für den Menschen da, nicht der
Mensch für die Arbeit. Dieser Satz findet sich so oder ähnlich sogar
in Schriften der katholischen Sozialethik. Was wie eine
Binsenweisheit klingt, ist in der Praxis ein oft schwer zu
verteidigender Grundsatz. Das zeigt auch die aktuelle Debatte um eine
Öffnung der Arbeitszeitregelungen in Deutschland. Etwas Besinnung auf
den Sinn und Zweck von Arbeit täte den Befürwortern von deregulierten
Arbeitszeiten gut. Das gilt auch für den Sachverständigenrat der
Bundesregierung, die sogenannten Wirtschaftsweisen. Rein ökonomisch
betrachtet ist es für die Arbeitgeber selbstverständlich vorteilhaft,
wenn sie ihre Beschäftigten bedarfsgerechter einsetzen können. Das
steigert letztlich ihre Wettbewerbsfähigkeit und damit auch die
ökonomische Basis der Gesellschaft. Frei nach dem Motto: Wenn die
Zahlen stimmen, geht es allen gut. Diese Formel lässt die Belange der
Arbeitnehmer aber einfach außen vor. Sicher hat Deutschland ein
einschränkendes Reglement hinsichtlich der erlaubten Tages- und
Wochenarbeitszeiten. Die Praxis in vielen Betrieben zeigt jedoch
auch, dass einzelne Unternehmen viele Möglichkeiten haben und nutzen,
um die betriebswirtschaftlichen Belange mit den Zeitbedürfnissen
ihrer Mitarbeiter zu vereinbaren. In kleinen Firmen steht der
Acht-Stunden-Tag oft nur auf dem Papier. Überstunden sind vor allem
für Berufseinsteiger die Regel. Der Berg an geleisteter Mehrarbeit
summiert sich auf 1,8 Milliarden im Jahr. Da kann es an Flexibilität
ja wohl kaum mangeln. Zugleich braucht die Wirtschaft mehr Frauen als
Fachkräfte. Die Generation der Arbeitnehmer unter 40 soll einerseits
möglichst viel arbeiten, andererseits eine Familie gründen und auch
noch die Eltern pflegen. Da drängt sich der Eindruck auf, dass für
Ökonomen eher ein gegenteiliger Grundsatz gilt und der Mensch für die
Arbeit da ist, nicht umgekehrt. Viele Arbeitnehmer wollen tatsächlich
flexible Arbeitszeiten. Folgerichtig erhebt sich die IG Metall in
dieser Woche, um eine zeitweilige 28-Stunden-Woche durchzusetzen.
Auch die Mitarbeiter der Deutschen Bahn können sich zwischen mehr
Lohn oder mehr Freizeit entscheiden. Intelligente Lösungen sind
gefragt, Modelle, die auf Übereinkünften beruhen und nicht auf
Weisung von oben. Solange dies nicht gängige Praxis ist, sind feste
Regeln für die Arbeitseinsätze unerlässlich.

Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
Telefon: 0521 555 271
nachrichten@neue-westfaelische.de

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Erstellt von an 13 Nov 2017. geschrieben in Allgemein. Sie können allen Kommentaren zu diesem Artikel folgen unter RSS 2.0. Sie können einen Kommentar schreiben oder einen trackback setzen zu diesem Artikel

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