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Neue Westfälische (Bielefeld): Streit über islamischen Religionsunterricht Gegen die Wand Florian Pfitzner, Düsseldorf





Zwei Islamverbände haben vor dem
Oberverwaltungsgericht Münster eine heftige Schlappe erlitten. Die
Klatsche sitzt so tief, dass die islamische Gemeinschaft Milli Görüs
zunächst arg beleidigt reagierte, als sie von einem „Pyrrhussieg für
die Landesregierung“ sprach. Milli Görüs werde gegen das Urteil
vorgehen, sagte ein Topfunktionär. Was er dabei vergaß: Der
Gerichtssaal ist nicht der richtige Ort, um Streitfragen über den
islamischen Religionsunterricht auszutragen. Der Zentralrat der
Muslime und der Islamrat, dem Milli Görüs angehört, wollten mit ihrer
Klage gegen das Land NRW mit dem Kopf durch die Wand. Sie wollten die
Voraussetzungen für den Anspruch auf die Einführung eines Schulfachs
schaffen. Sie verteidigten ihre Organisationsformen nach Kräften,
erklärten die „Eigenarten des Islam“ – und scheiterten klar. Sie
blieben schon bei der Erfüllung der Merkmale hängen, die das
Bundesverwaltungsgericht für die Einordnung der Dachverbände einst
aufgestellt hat. So kam es erst gar nicht zu einer Überprüfung der
Verfassungstreue. Kritiker haben regelmäßig vor dem
islamisch-konservativen Einfluss aus Ankara gewarnt. Mustafa
Yeneroglu, ehemaliger Generalsekretär der Milli Görüs, hat in der
türkischen Regierungspartei eine glänzende Karriere hingelegt; bei
Ditib erscheint die hintergründige politische Steuerung noch
eindeutiger. Nun geht es aber um eine übergeordnete Frage: Wie lässt
sich unsere Einwanderungsgesellschaft friedvoll gestalten? Wie lässt
sich der Islam vernünftig in Deutschland eingliedern? Es gibt bereits
verschiedene Plattformen, die die gemäßigten Kräfte bündeln. Der
NRW-Beirat für den islamischen Religionsunterricht sollte
dazugehören. Allem Ärger zum Trotz bleibt den islamischen
Vereinigungen ihr derzeitiges Mitspracherecht. Die NRW-Regierung
reagiert nun klug, indem sie auf die Verbände zugeht – obwohl sie
teilweise nur für Minderheiten der Muslime sprechen – und eine
Ausweitung des Übergangsmodells erwägt. Sie hat die Botschaft aus
Münster verstanden. Die mehr oder weniger unterschwelligen Vorbehalte
gegen den islamischen Religionsunterricht halten sich hartnäckig. Sie
dürfen einer langfristigen Lösung nicht im Wege stehen.

Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
Telefon: 0521 555 271
nachrichten@neue-westfaelische.de

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Erstellt von an 9 Nov 2017. geschrieben in Allgemein. Sie können allen Kommentaren zu diesem Artikel folgen unter RSS 2.0. Sie können einen Kommentar schreiben oder einen trackback setzen zu diesem Artikel

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