Handwerkskammer reformiert ihr Bildungsangebot

Die Handwerkskammer Freiburg steht unmittelbar vor einer grundlegenden Reformierung ihres Bildungsangebots im Landkreis Lörrach. Aufgrund sinkender Auslastung, fehlender staatlicher Förderfähigkeit und einem Sanierungsstau drohte die Gewerbe Akademie in Schopfheim sich zu einer finanziellen Belastung für die 16.000 Mitgliedsbetriebe der Handwerkskammer zu entwickeln.

Durch eine Lernortkooperation mit den drei gewerblichen Schulen des Landkreises wurde nun eine kostengünstige, nachhaltige und weiterhin wohnortnahe Lösung gefunden. Vorbehaltlich der Entscheidung des Kreistages gelingt es damit, die mehrwöchige Überbetriebliche Ausbildung für Azubis im Handwerk im Landkreis Lörrach zu halten.

Christof Burger, Präsident der Handwerkskammer Freiburg, zeigte sich hochzufrieden mit der Lösung: „Zusammen mit dem Landkreis Lörrach ist es uns gelungen, die mehrwöchige Überbetriebliche Ausbildung weiterhin in unmittelbarer Nähe zu den rund 450 Ausbildungsbetrieben anzubieten. Das ist keine Selbstverständlichkeit.“ Die Ausbildungsberufe Elektroniker/-in, Anlagenmechaniker/-in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Tischler/-in, Friseur/-in, Metallbauer/-in sowie Feinwerkmechaniker/-in werden in den drei Beruflichen Schulen des Landkreises Lörrach in bislang nicht genutzten oder freien Räumlichkeiten untergebracht. Lediglich beim Gewerk „Kraftfahrzeugtechnik“ suche man noch eine Lösung.

Das neue Modell biete darüber hinaus noch einen Mehrwert. Durch eine „Lernortkooperation“ im Sinne einer sehr engen Zusammenarbeit der beteiligten Parteien in der dualen Ausbildung lassen sich die Vermittlung von Theorie und Praxis in Inhalt, Zeit und Ablauf deutlich sinnvoller verknüpfen. Der Ausbildungsbetrieb vermittle die praktische Arbeit am Arbeitsplatz, die Berufsschule fachtheoretisches Wissen und Allgemeinbildung. In der Überbetriebliche Ausbildung gehe es darum, allen Auszubildenden unabhängig vom Ausbildungsbetrieb praktische Ausbildungsinhalte beizubringen.

„Durch die Lernortkooperation verstehen die Azubis den Zusammenhang zwischen Schulstoff und der Arbeit im Betrieb schneller. Inhalte werden zeitlich passend aufeinander abgestimmt, damit Themen parallel oder kurz nacheinander bearbeitet werden.“ Auch könnten sich Lehrer und Ausbilder direkt zum Leistungsstand der Azubis austauschen und über den Einsatz von Lehrmethoden oder die Anpassung von Lehrplänen abstimmen.

Ein Erhalt der Gewerbe Akademie in Schopfheim sei trotz Prüfung verschiedenster Vorschläge keine Option mehr: „Wir haben es uns wirklich nicht leicht gemacht bei dieser Entscheidung und alle Vorschläge und Überlegungen auch von außen sorgfältig geprüft, aber leider war kein tragfähiges und nachhaltiges Konzept dabei.“ Letztlich sei man nur den 16.000 Mitgliedsbetrieben der Handwerkskammer verpflichtet und sonst niemandem: „Und die Betriebe sind es, welche komplett die Kosten der Überbetrieblichen Ausbildung tragen müssen, falls Zuschüsse von Bund und Land entfallen.“

Ein sorgsamer Umgang mit den Pflichtbeiträgen der Betriebe genieße oberste Priorität. Daneben gelte es, die Qualität der Ausbildung zu erhalten, auch in Zeiten des demographischen Wandels, der die Ausbildungszahlen massiv beeinflusst. Auch Geschäftsführerin Annette Rebmann-Schmelzer unterstreicht: „Unser Vorgehen bei unseren Bildungshäusern geschieht stets in Abstimmung mit den Kreishandwerkerschaften und Innungen. Es sind Entscheidungen des gesamten südbadischen Handwerks.“

Die Handwerkskammer Freiburg befasse sich seit vielen Jahren mit der Zukunftssicherung ihrer eigenen Bildungsstätten, in denen die mehrwöchige überbetriebliche Ausbildung für Azubis im Handwerk stattfindet.“ Bereits 2023 wurde auf Basis von aufwendigen Machbarkeitsstudien ein Grundsatzbeschluss verabschiedet, der Konzentration und Kooperation in diesem Bildungsbereich vorgibt, wie Kreishandwerksmeister Martin Ranz erklärt: „Wir haben belastbare Aussagen darüber, welches Raumprogramm hier künftig benötigt wird sowie was und wo wir investieren müssen angesichts sinkender Teilnehmerzahlen, leerer Werkstätten, Sanierungsstaus in den Gebäuden und dem Verlust der staatlichen Förderfähigkeit.“

Nahezu alle Handwerkskammern in Deutschland stünden vor ähnlichen Herausforderungen. In Baden-Württemberg werde derzeit eine

Strukturanalyse aller handwerklichen Bildungsstätten durchgeführt: „In Südbaden sind wir hier schon einen Schritt voraus“, betont René Gammerdinger, Vize-Präsident Arbeitnehmer. 

Für die Vertreter der Handwerkskammer Freiburg steht fest: „Wir werden unseren begonnenen Reformprozess fortsetzen und uns auf unsere zwei Standorte in Freiburg und Offenburg konzentrieren sowie zahlreiche weitere Kooperationen mit Partnern eingehen – im Sinne des gesamten südbadischen Handwerks.“

Weitere Infos zum Thema finden Sie auf: https://www.hwk-freiburg.de/reform-gewerbe-akademie/

Die Handwerkskammer Freiburg ist Dienstleister und Ansprechpartner für fast 16.000 Handwerksbetriebe mit mehr als 100.000 Beschäftigten und rund 6.500 Auszubildenden in den Landkreisen Ortenau, Emmendingen, Breisgau-Hochschwarzwald, Lörrach sowie dem Stadtkreis Freiburg. Die Mitgliedsbetriebe in Südbaden generierten im Jahr 2023 einen Umsatz von mehr als 10 Milliarden Euro.

Neben den staatlichen Pflichtaufgaben in Ausbildung, Prüfungswesen und Handwerksrolle übernimmt die Handwerkskammer Freiburg zahlreiche weitere Aufgaben. Sie unterhält moderne Be­ra­tungs- und Bil­dungs­zent­ren, in denen sie ihren Mitgliedern ein breites Spektrum an Service bietet: berufliche Bildungsangebote, Nachwuchswerbung, Rechtsberatung sowie Beratung in den Bereichen „Betriebswirtschaft“, „Betriebsübergabe und -übernahme“, „Innovation“, „Umwelt“, „Außenwirtschaft“, „Fachkräftesicherung“, „Organisationsentwicklung“ und „Digitalisierung“. Daneben unterstützt sie Existenzgründer und fördert das Handwerk vor Ort.