Kommunikation unter Druck: Stefanie Voss gibt Bundeskanzler Merz Tipps

Keynote-Speakerin und Kommunikationsexpertin Stefanie Voss im Interview mit dem SWR über Körpersprache, Wertschätzung und die Wirkung von Führungskommunikation

Wie sollte ein Bundeskanzler kommunizieren, wenn die politische Lage angespannt ist und gleichzeitig der Druck aus der Öffentlichkeit wächst? Mit dieser Frage hat sich der SWR aktuell an die Kommunikationsberaterin und Keynote-Speakerin Stefanie Voss gewandt. Im Radiointerview spricht die erfahrene Kommunikationsexpertin darüber, wie Bundeskanzler Friedrich Merz seinen Kommunikationsstil verändern könnte, um Menschen besser zu erreichen und in unterschiedliche Situationen angemessener aufzutreten.

Im Mittelpunkt ihrer Analyse steht dabei nicht die Frage, ob ein Politiker auch mal Kante zeigen und Stärke ausstrahlen sollte – sondern wie flexibel diese Stärke eingesetzt wird. Denn erfolgreiche Kommunikation braucht aus Sicht von Stefanie Voss mehr als klare Ansagen: Sie braucht das richtige Gespür für Situation, Gegenüber und Wirkung.

Stärke zeigen – aber nicht immer auf dieselbe Weise

Friedrich Merz könne durchaus Stärke ausstrahlen, erklärt die erfahrene Vortragsrednerin Stefanie Voss im SWR-Interview. Gerade im Bundestag könne seine direkte und konfrontative Art wirkungsvoll sein. Gleichzeitig brauche es aber ein größeres Spektrum an Kommunikationsstrategien.

„Er hat immer diese klassische Angriffshaltung“, beschreibt Voss beispielsweise seine Körpersprache. Entscheidend sei deshalb, je nach Situation unterschiedliche Formen der Kommunikation einzusetzen.

Ob Bundestagsdebatte, Wahlkampfarena oder Gespräch mit Bürgerinnen und Bürgern: Die Erwartungen an eine Führungspersönlichkeit unterscheiden sich. Was in einer politischen Auseinandersetzung Stärke vermittelt, kann in einem direkten Bürgerkontakt schnell als unnötige Härte wahrgenommen werden. Kommunikation ist damit immer auch eine Frage der Situation.

Wertschätzung nimmt Druck aus schwierigen Gesprächen

Besonders interessant ist Stefanie Voss Hinweis auf das Verhältnis zwischen Macht und Kommunikation. Wer eine höhere Position innehat, trägt ihrer Einschätzung nach eine besondere Verantwortung dafür, Druck aus einer konfliktreichen Situation zu nehmen.

Gerade Führungskräfte kennen dieses Spannungsfeld: Je größer die eigene Verantwortung und je höher der Druck, desto leichter entsteht eine Kommunikation, die beim Gegenüber Abwehr auslöst.

Voss empfiehlt deshalb, auch andere Meinungen zunächst anzuerkennen, bevor man ihnen widerspricht. Eine Formulierung wie „Ich höre Ihre Meinung. Die betrifft mich sehr. Es wird Sie wenig überraschen, dass ich sie nicht teile. Und ich möchte Ihnen erklären, warum das so ist“ könne helfen, Spannung aus einem Gespräch zu nehmen.

Damit verbindet Stefanie Voss zwei Aspekte, die für moderne Führung entscheidend sind: Klarheit in der eigenen Position und Wertschätzung für die andere Meinung.

Kommunikation unter Druck ist eine besondere Herausforderung

Gleichzeitig zeigt Voss Verständnis dafür, dass Veränderung gerade unter hohem Druck schwierig ist. Verhalten und Kommunikationsmuster, die Menschen über Jahre und Jahrzehnte erfolgreich gemacht haben, lassen sich nicht einfach auf Knopfdruck verändern.

Diese Erkenntnis gilt nicht nur für Politiker. Auch Führungskräfte in Unternehmen stehen regelmäßig vor Situationen, in denen alte Kommunikationsmuster nicht mehr funktionieren. Veränderungsprozesse, Krisen, wirtschaftliche Unsicherheit oder neue Anforderungen an Leadership verlangen zunehmend die Fähigkeit, den eigenen Kommunikationsstil flexibel anzupassen.

Genau hier setzen auch die Vorträge von Stefanie Voss als Keynote-Speakerin zu den Themen Motivationsveränderung und VUCA an. Als ehemalige Führungskraft eines internationalen DAX-Konzerns, Unternehmerin und Weltumseglerin verbindet sie praktische Führungserfahrung mit ungewöhnlichen Perspektiven auf Kommunikation, Selbstführung und Veränderung.

Von der politischen Bühne in die Unternehmenswelt

Was Stefanie Voss im SWR zur Kommunikation des Bundeskanzlers erläutert, lässt sich unmittelbar auf die Unternehmenswelt übertragen.

Führungskräfte müssen heute mehr denn je in der Lage sein,

* auch unter Druck souverän zu kommunizieren,
* unterschiedliche Kommunikationssituationen richtig einzuschätzen,
* Stärke zu zeigen, ohne unnötig Druck aufzubauen,
* andere Perspektiven ernst zu nehmen,
* Veränderung aktiv zu gestalten und
* Menschen auch in unsicheren Zeiten Orientierung zu geben.

In ihren Keynotes beschäftigt sich Stefanie Voss unter anderem mit Leadership, Change, Motivation und der Frage, wie Menschen auch in einer von Unsicherheit geprägten VUCA-Welt handlungsfähig bleiben.

Dabei greift sie immer wieder auf ihre außergewöhnliche Erfahrung als Weltumseglerin zurück. Denn auf hoher See wie im Management gilt: Nicht jeder Einfluss lässt sich kontrollieren – aber der eigene Umgang mit der Situation lässt sich gestalten.

Stefanie Voss: Kommunikation braucht einen flexiblen Kurs

Die Diskussion um den Kommunikationsstil des Bundeskanzlers macht deutlich, wie anspruchsvoll Führungskommunikation geworden ist. Eine starke Persönlichkeit muss nicht weniger klar werden, um anders zu kommunizieren. Sie muss vielmehr lernen, ihre Wirkung situationsgerecht einzusetzen.

Stefanie Voss bringt diese Haltung in ihren Vorträgen mit einer ungewöhnlichen Mischung aus Leadership-Erfahrung, Kommunikationskompetenz und der Perspektive einer Weltumseglerin auf die Bühne.